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Buchtipps


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Buchtipp - Romane

"Wer ist Mr Satoshi?" von Jonathan Lee

Jonathan Lee, Wer ist Mr Satoshi?

Was macht die Liebe mit uns?
Und warum glauben wir manche Menschen verloren, obwohl uns die Sehnsucht nach ihnen ein Leben lang begleitet?
Was wissen wir eigentlich über die Träume unserer Eltern? Was über die Geheimnisse, die sie mit sich herumtragen?
Und wer ist Mr. Satoshi?
Als Robert Fossick, berühmter Fotograf, nach dem Tod seiner dementen Mutter eine Schachtel erbt, die er einem "Mr. Satoshi" zukommen lassen soll, steht er nicht nur vor einem Rätsel, er steht auch vor einigen Problemen. Foss ist abgestürzt. Nach dem Tod seiner Frau verliert er sich in Alkohol und Medikamentensucht, er leidet unter Panikattacken und zieht sich aus seiner Umwelt zurück. Zunächst unwillig, begibt er sich jedoch auf die Reise nach Japan, um das Vermächtnis seiner Mutter zu erfüllen.
Hier lernt er die junge, exzentrische Chiyoko kenne, die ihm dabei hilft, das Geheimnis zu lüften. Er erfährt, wie wenig er seine Mutter kannte, wie wenig er von ihr wusste.
Für mich eines der besten Bücher des Jahres, das einen unweigerlich in Bann zieht und dessen Sog einen bis zum Ende nicht mehr loslässt, geschrieben in einer wunderbaren Sprache.
Trauer, Tablettensucht, die 50er Jahre, Tokio, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in Japan, alles wird brillant verwoben zu einem großartigen Roman.
Was mich besonders beeindruckt, ist, dass diese tragikomische Geschichte nie hoffnungslos daher kommt, sie ist herzerfrischend und geht unter die Haut, ohne ins Schnulzige abzudriften.
Lee wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, das  ist sein erster auf Deutsch erschienener Roman.
(Katja Breitenbücher)

Der Hut des Präsidenten
Der Hut des Präsidenten

Antoine Laurain
Der Hut des Präsidenten
Hoffmann und Campe, 2016
Die große Liebe finden, ein meisterhaftes Parfüm kreieren, der Chef des eigenen Chefs werden: Wer träumt nicht davon, seinem Leben eine neue Richtung zu geben? Und sind Träume nicht reine Kopfsache?
Als der Präsident seinen Hut in einer Brasserie vergisst, setzt sein Tischnachbar ihn auf - und schlagartig ändert sich dessen Leben. Doch der Hut wandert weiter von Kopf zu Kopf, um seine ganz besondere Wirkung zu entfalten. Ein Roman voller Charme und Überraschungen, über große Ziele und glückliche Wendungen - und was man dafür drauf haben muss.

Filippo oder die Weisheit der Schafe

Paolo Mastrocola
Filippo und die Weisheit der Schafe
carl´s books
Filippo ist ein Bilderbuch-Sohn: begabt, wissbegierig, liebenswert. Das BWL-Studium hat ihn bis zur Promotion nach Stanford gebracht. Seinen stolzen Eltern berichtet er oft per Skype von seinen Erfolgen.
Nur schade, dass das alles gar nicht stimmt. In Wahrheit hat Filippo nach einigen Semestern genug vom Leistungsdruck und den ehrgeizigen Karriereplänen seiner Mitstudenten. Er bricht das Studium ab und sucht sich heimlich ein neues Leben mit viel Zeit zum Nachdenken und Lesen. Er wird Schäfer.
Als Filippos Eltern vom Doppelleben ihres Sohnes erfahren, sind sie entsetzt. Sie brechen sofort auf, um ihn zur Rede zu stellen. Doch erst nach einer abenteuerlichen Reise durch mehrere Länder erfahren sie, warum ihr Sohn jemand ganz anderer geworden ist, als sie immer dachten. Und warum Filippo mit seiner gesamten Schafherde eine hochkarätige internationale Wirtschaftskonferenz im College von Oxford gestürmt hat

Alice Adams
Als wir unbesiegbar waren
Dumont
Eva, Sylvie, Lucien und Benedict - vier unzertrennliche Freunde, denen nach dem College die Welt zu Füßen liegt, das Leben mit all seinen Verheißungen liegt vor ihnen. Ausgehend von diesem Sommer porträtiert die Autorin in Schlaglichtern die Entwicklung der Protagonisten über 20 Jahre hinweg.Während Eva in der Bankenwelt Londons ihren Weg geht und sich Lucien in der drogenvernebelten Clubwelt Londons seinen Weg bahnt, geht es in den Ehen von Benedict und Sylvie nicht minder turbulent zu.
Alice Adams, in Australien geboren und wohnhaft in London, hat ihren ersten Roman geschrieben, ein erfrischend geistreiches Buch! Erinnert von der Thematik und dem Schreibstil ein wenig an Benedict Wells "Vom Ende der Einsamkeit".
Ein berührendes Buch, beim Lesen fliegen die Seiten nur so dahin...

Als wir unbesiegbar waren

Buchtipp Kinder- & Jugendbücher

Sarah Crossan
Eins

Die 16-jährigen Zwillinge Tippi und Grace sind sich sehr verbunden. Und das nicht nur auf mentaler Ebene sondern auch körperlich, denn sie sind siamesische Zwillinge und von Geburt an an der Hüfte zusammengewachsen. Das Buch ist aus Graces Sicht geschrieben und lässt deutlichen werden, welche Hürden die beiden Mädchen in Schule, Freundschaft und in der Liebe bewältigen müssen. Denn die Einschränkungen die damit umhergehen, wenn der eigene Körper einem doch nicht wirklich alleine gehört und man ihn teilen muss, sind eine tägliche Herausforderung, die die Beiden meistern müssen. Aber auch wenn es alles andere als einfach ist, und die Angst „wie es weitergeht“ immer da ist, lernt man zwei bewundernswerte Jugendliche kennen, die trotz allem dafür kämpfen, ein möglichst „normales“ Leben führen zu dürfen.

Ich persönlich kann das Buch mit all seinen Höhen und Tiefen Jugendlichen ab 14 Jahren sehr empfehlen. Ich habe mich sehr gut in die beiden hineinversetzen können und trotz der schwierigen Themen, mit denen man zwangsläufig konfrontiert wird konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Sie finden das Buch unter der Signatur BL Rom Cross in unserer Zweigstelle im Hebelgymnasium.

Eins von Sarah Crossan

Buchtipp - Bilderbuch

Fell und Feder

ein Theaterstück von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer
Wie sich Huhn und Hund kennen lernen und Freunde werden. Huhn und Hund treten zusammen auf, sie spielen Ihre Geschichte.
Die geht so: Das Huhn träumt von einem Piratenschatz, der Hund wünscht sich einen starken Freund. Beide sind auf der Suche und finden ihren Schatz, der aber ganz anders ist wie in der Vorstellung...
Huhn und Hund sind glücklich, und das Publikum hat gespürt: Im Theater geht es um das echte Leben.
Das schönste Bilderbuch des Jahres mit einer liebenswerten Botschaft!

Marc-Uwe-Kling / Astrid Henn
Der Ostermann
Carlsen Verlag
Der Sohn des Weihnachtsmannes hat ein Problem: Winter, Schlitten fahren und Tee kann er nicht leiden. Viel toller findet er den Frühling, Hasen und bunte Eier! Klar, dass er am liebsten Ostermann werden möchte, wenn er groß ist.  Seinem Vater gefällt das aber gar nicht, Weihnachtsmann sein ist schließlich Familientradition...
Ein außerordentlich witziges Weihnachtsbuch in Versen, vom Autor der Känguru-Chroniken.

Der Ostermann

Buchtipp - Schätze der Bibliothek

Unter dieser Rubrik möchte ich Ihnen Titel vorstellen, die jenseits von Neuerscheinungen und Bestenlisten im Bestand der Bibliothek zu finden sind. Titel, die es sich lohnt, zu entdecken. Schätze eben.
Ihre Marlene Klaus

Dezember 2015

Jennifer Higgie
Bedlam und andere Stationen einer Reise, die ein gewisser Richard Dadd im Jahre 1842 unternahm
Parthas Verlag 2009, ISBN: 978-3866013308
 
Zugegeben, der Titel ist unglücklich gewählt, denn wer oder was ist Bedlam?
Im Nachwort erfährt man es: Bedlam ist ein anderer Name für Bethlem, ein Spital für kriminelle Geisteskranke im England des 19. Jahrhunderts.
Bedlam ist die letzte Station einer Reise.
Im Juli 1842 begleitet der junge englische Maler Richard Dadd seinen Mäzen Sir Thomas Phillips auf einer fast einjährigen Tour durch Europa und den Nahen Osten. Dadd, der wegen seines großen Talents bereits im Alter von 20 Jahren in die Royal Academy of Arts aufgenommen wurde, soll Stationen der Reise für Sir Thomas in Bildern festhalten: Venedig, Athen, Konstantinopel, Jerusalem, Alexandria.
Dadd, ein Mann dessen Kopf ohnehin voll ist mit bizarren Bildern und Gedanken, scheint mit der Intensität seiner Eindrücke nicht zurecht zu kommen. Sir Thomas glaubt, er habe einen Sonnenstich erlitten, in Wahrheit machen sich bei Dadd jedoch Anzeichen einer psychischen Erkrankung bemerkbar. Er wähnt sich unter dem Einfluss des Gottes Osiris und wird Sir Thomas gegenüber zunehmend unleidlich. Dadd trennt sich auf der Heimreise in Paris von seinem Mäzen und kehrt alleine nach London zurück. Dort verwirrt sich sein Geist immer mehr und schließlich glaubt er, in seinem Vater die Verkörperung des Teufels zu erkennen.
Jennifer Higgies hat mit diesem Roman ein fiktives Reisetagebuch geschrieben, das einen Einblick in Dadds Gedankenkosmos ermöglicht. Mit den zunehmenden Wahnvorstellungen des Künstlers entwickelt das Buch einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die Geschichte ist keine einfache Kost. Einfache Kost im Sinne von „das lese ich mal eben so zwischendurch herunter“. Aber sie ist ein sprachlicher Schatz, ein poetisches Kleinod für all jene, die an außergewöhnlichen Formulierungen und Bildern Freude haben.
Ein Beispiel:
„Ich habe hier das Gefühl, dass ich mit jedem Blick etwas an mich nehme, das mir nicht gehört. Als würde meine Bewunderung zu einer Verflachung der augenscheinlichsten Eigenschaft führen, die diese Länder zu bieten haben, nämlich ihr Äußeres.“
Meine Leseempfehlung für Liebhaberinnen und Liebhaber einer ausdrucksstarken Sprache finden Sie unter der Signatur: Higg

Jennifer Higgie: Bedlam

Januar 2016

Keith Richards
Life
Heyne Verlag 2010, ISBN: 978-3453640597
 
Zugegeben, Keith Richards Lebensgeschichte kommt als ein rechter Wälzer daher.
736 Seiten sind es geworden, die er mit Hilfe des Journalisten James Fox verfasste. Offenherzig und in meist lakonischem Tonfall erzählt er seine Erinnerungen, die nicht nur für Rock’n’Roll-Fans interessant sind, sondern auch für alle, die sich mit der jüngeren Zeitgeschichte beschäftigen.
Das ist einer der Gründe, warum ich dieses Werk in die Rubrik „Schätze der Bibliothek“ aufnehme. Es ist eine Fundgrube zum Thema Musik: das Schreiben von Songs, das Finden eines Stils, das Verarbeiten verschiedenster Einflüsse. Es ist andererseits aber auch ein hochinteressanter Einblick in die 1960er, 1970er und 1980er Jahre und somit ein Dokument dieser Zeit.
Mein zweiter Grund bezieht sich genau darauf: die Biografie als ein Werk, das den Geist dieser Zeit lebendig werden lässt. Dieser Tage starb ein Großer der Musikszene, David Bowie. Und mir fiel eine Passage in Richards Biografie ein, in der er davon erzählt, wie ambitioniert Mick Jagger sich musikalisch weiterentwickeln wollte und nach „Neuem“ suchte, und wie er – welcher Künstler ist frei davon? – hinüber zur Konkurrenz schielte, um zu sehen, was die so machte. „Er beobachtete, was Bowie tat, und wollte ihm nacheifern. Bowie war eine Riesenattraktion.“
Nun kurz etwas zum Inhalt: Richards wurde 1943 in Dartford geboren, erlebte eine typische Nachkriegskindheit in ärmlichen Verhältnissen. Rebellion gegen die Autoritäten, die Entdeckung schwarzer Blues-Musik, das zufällige Treffen mit Mick Jagger, die Gründung der Band. Die Stones wollten anfangs einfach nur Londons beste Bluesband sein. Doch ihr Aufstieg erfolgte rasch, Richards schildert Drogenexzesse, Bandquerelen, Affären und den Tod von Brian Jones. Es geht um Abstürze und Höhenflüge, um Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll eben. O-Töne nahe stehender Menschen bereichern die biografischen Passagen ebenso wie Richards Kochrezept für Bratwürste mit Kartoffelbrei.
Richards ist berühmt dafür, einen eigenwilligen, unorthodoxen Stil an der Gitarre entwickelt zu haben. Kein Zweifel, er hat die Musikwelt nachhaltig richtungsweisend beeinflusst. Er ist ein Phänomen, eine lebende Legende und seine ehrlichen Erinnerungen sind definitiv lesenswert.
Sie finden „Life“ unter der Signatur SYB 21 Rich
 

Keith Richards: Life

Januar 2016

Kate Pullinger
Eine Liebe in Luxor
Bloomsbury Verlag 2010, ISBN: 978-3827009197
 
Zugegeben, ich stelle Ihnen schon wieder einen Roman vor, der im 19. Jahrhundert spielt.
Doch in die Lebensweisen der Menschen vergangener Epochen zu blicken, öffnet das Auge dafür, wie sich die Welt entwickelt hat, wie die Dinge zusammenhängen, ja, wie wir zu jenen wurden, die wir sind.
In „Eine Liebe in Luxor“ erhalten wir einen Eindruck davon, was Frauenleben im 19. Jahrhundert auch sein konnte, denn der Roman handelt von einer wahren Begebenheit.
England 1862: Als Lady Duff Gordon von ihrem Arzt nach Ägypten geschickt wird, um dort im trockenen, warmen Klima ihre Tuberkulose auszuheilen, bedeutet das auch für ihr Dienstmädchen Sally ein Exil auf unbestimmte Zeit. Die beiden begeben sich, schwankend zwischen Staunen und Angst vor der exotischen Fremde, gemeinsam auf eine Flussfahrt den Nil hinauf. Begleitet werden sie von Omar, einem Dragoman. So hießen seinerzeit jene Bediensteten, die sämtliche organisatorischen Aufgaben für die Reisenden übernahmen: Geldwechseln, Übersetzen, Einkaufen, Kochen, Behördengänge regeln. Als Lady Duff Gordon in Luxor ihr Korsett gegen Männerkleider eintauscht, Arabisch lernt und zu wöchentlichen Salons einlädt, beginnt auch Sally, eine ungeahnte Freiheit zu genießen. Doch diese Freiheit hat ihre Grenzen, als Sally und Omar sich ineinander verlieben, was Lady Duff Gordon nicht gutheißt.
Lady Duff Gordon war zu ihrer Zeit bereits eine Berühmtheit. Sie empfing die Honoratioren Luxors und diskutierte beim Tee stundenlang mit ihnen. Sie kümmerte sich um Kranke und man nannte sie Sitt el Kebeer (Great Lady).
Zwei Frauenleben, die einen staunen lassen, ein lesenswerter Roman.
Sie finden „Eine Liebe in Luxor“  unter der Signatur Pull
 

Kate Pullinger: Eine Liebe in Luxor

Juni 2016


Heike Koschyk, Alf Leue (Hrsg.)
Die vierte Zeugin
Aufbau Verlag 2012, ISBN: 978-3746628790

Zugegeben, bei diesem Roman habe ich mitgeschrieben.
Aber das ist nicht der Grund, warum ich ihn in die Reihe „Schätze der Bibliothek“ aufnehme – obwohl ich stolz bin, an diesem Werk mitgearbeitet zu haben.
Nein, der Grund ist ein anderer. Die Geschichte, die zwölf Autorinnen und Autoren gemeinsam erzählen, beruht nämlich auf einem wahren Fall.

Zum Inhalt:
Köln 1534: Ein ungewöhnlicher Gerichtsfall hält die Stadt in Atem: Der Londoner Geschäftsmann Richard Charman verklagt die Tuchhändlerwitwe Agnes Imhoff, um eine Schuld ihres unter rätselhaften Umständen verstorbenen Ehemanns Andreas zu begleichen. Agnes droht alles zu verlieren. Als sie versucht, ihre Unschuld an den Taten ihre Mannes zu beweisen, offenbart sich nicht nur ein Familiendrama, Stück für Stück gelangen tödliche Intrigen, Lügen und politische Verflechtungen ans Licht, die bis ins englische Königshaus reichen.

Zum Hintergrund:
Am 3. März 2009 stürzte der Gebäudekomplex des Stadtarchivs Köln samt zwei benachbarten Wohngebäuden ein. Zwei Personen wurden getötet, rund 90 Prozent des Archivguts verschüttet. Nach einem halben Jahr waren 85 Prozent davon geborgen. Die Beschädigungen reichten von leicht bis schwerstens beschädigt.
Der seinerzeit noch bestehende Autorenverband „Quo Vadis“, ein Zusammenschluss von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die historische Romane schreiben, veranstaltete daraufhin als Benefizaktion Gemeinschaftslesungen seiner Mitglieder. Die Autorinnen und Autoren verzichteten auf ihre Honorare und stellten die Einnahmen der Stiftung Stadtgedächtnis zur Verfügung. Damit konnten zwei beschädigte Archivalien restauriert werden. Eines davon war das Gerichtsdokument des Falles „Agnes Imhoff“. Der Stoff war wie geschaffen für eine literarische Verarbeitung, fand der Autorenverband, und so entstand der Roman. Er dürfte nicht in vielen Bibliotheken zu finden sein. Daher gehört er zu den „Schätzen“ unserer Bibliothek.

Sie finden „Die vierte Zeugin“ bei den historischen Romanen unter der Signatur Vier
 

H. Koschyk/A. Leue: Die vierte Zeugin

Oktober 2016

Bill Bryson
Streiflichter aus Amerika
Goldmann Verlag 2009, ISBN: 978-3442470471

Zugegeben, Bill Brysons Buch ist schon etwas älter. Die Originalausgabe erschien 1998.
Trotzdem ist es lesenswert. Es besteht aus kurzen Kolumnen, die Bryson seinerzeit für ein amerikanisches Journal verfasste. Unterhaltsam und witzig wie Bryson nun einmal schreibt, erhellt er den amerikanischen Alltag, kommentiert das Sport- und Freizeitverhalten seiner Landsleute ebenso wie die Manipulation der Menschen durch Konzerne, Werbung und Politik. Heiter zu lesen und in einem Punkt dennoch erschreckend: Die „Streiflichter“ klingen erstaunlich aktuell.
Sie finden „Streiflichter aus Amerika“ unter der Signatur Ckk 2 Brys

Bill Bryson: Streiflichter aus Amerika

März 2017

Mark Jenkins
Reise nach Timbuktu
Frederking & Thaler Verlag 2001, ISBN: 9783894051143

Zugegeben, auch Mark Jenkins‘ Reisebericht ist schon etwas in die Jahre gekommen, er erschien bereits 1997.
Aber in dieser Kolumne geht es nicht um brandaktuelle Titel, sondern um Schätze der Bibliothek, die es lohnt, zu entdecken. Jenkins‘ Buch ist ein solcher Schatz.
Zum Inhalt: Mark und sein bester Freund Mike wollen gemeinsam mit zwei weiteren Freunden versuchen, als Erste mit ihren Kajaks den gesamten Fluss Niger hinunter zu paddeln. Endziel der Reise ist das sagenumwobene Timbuktu in Mali. Sie bezwingen den schwierigen Oberlauf des Nigers, müssen reißende Stromschnellen und Hindernisse im Flussbett überwinden. Sie werden von wilden Bienen verfolgt, von Flusspferden und Krokodilen angegriffen. Tief im Herzen Afrikas trennen sich die vier Freunde. Mike fliegt zurück nach Hause in die USA, Mark Jenkins kauft sich ein Motorrad und fährt damit durch die Sahara, um endlich sein Traumziel, die mystische Stadt Timbuktu, zu erreichen. Der Autor verbindet den Bericht seiner eigenen Reise mit historischen Reisen früherer Forscher.

Und genau dieser Part hat mir – neben Jenkins‘ eindringlicher und stimmungsvoller Sprache – besonders gut gefallen. Die Erzählstränge des aktuellen Abenteuers werden unterbrochen von den Schilderungen der Geschichte des Flusses durch Entdeckungsreisende vergangener Jahrhunderte sowie von Marks und Mikes früherer Reisen nach Europa und Nordafrika. Interessant, spannend und informativ. Klare Leseempfehlung an alle, die Reiseberichte mögen oder sich für Afrika interessieren.
Sie finden „Reise nach Timbuktu“ unter der Signatur Cdn Jenk

Mark Jenkins, Reise nach Timbuktu

August 2017

Eli Brown
Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel
Droemer Verlag 2014, ISBN: 978-3-426-19950-3

Zugegeben, ich habe eine Schwäche für Piraten.
Doch damit dürfte ich – spätestens seit „Fluch der Karibik“ – nicht alleine dastehen. Allen, denen es ähnlich ergeht, sei der folgende Roman anempfohlen.
Sussex in England, 1819: Owen Wedgwood ist Koch bei Lord Ramsey und zufrieden mit dem, was er tut. Der Lord sitzt soeben mit Gästen zu Tisch, als Piraten das Haus überfallen und so gut wie alle, inklusive Lord Ramsey, ermorden. Owen Wedgwood wird auf das Piratenschiff verschleppt. Dort sieht er sich vor eine erschreckende Wahl gestellt: Er soll der gefürchteten Kapitänin Mad Hannah Mabbot jeden Sonntag ein Menü kochen. Schmeckt es ihr, lebt er eine weitere Woche bis zum nächsten Sonntag. Wenn nicht, kann er mit den Haien um die Wette schwimmen. Doch an Bord gibt es kaum geeignete Zutaten. Owen muss erfinderisch sein und gleichzeitig seinen Plan zur Flucht vorantreiben.
Aber erst einmal schippert er notgedrungen über die Meere, lernt die eigenwillige Crew ebenso kennen wie die Kapitänin. Diese sucht unaufhaltsam nach einem anderen Piraten, mit dem sie ein Geheimnis verbindet. Dabei muss sie permanent vor einem mächtigen Feind fliehen. Kämpfe und Kanonendonner – Owen Wedgwood wird Zeuge von so manchen Grausamkeiten und erleidet einige Blessuren. Wie er allerdings allen Widrigkeiten zum Trotz seine Menüs zaubert, das ist sowohl für uns Lesende als auch für die Kapitänin höchst erfrischend. Denn was er kocht, ist so improvisiert und ausgefallen, so exotisch wie extravagant. Wenn er beschreibt, welche Zutaten er hat und was er damit tut, erschließt sich uns noch nicht zur Gänze, wie das fertige Gericht einmal aussehen wird. Die Überraschung kommt stets einige Seiten später, wenn er Hannah Mabbot das Menü kredenzt und benennt, was er bereitet hat. Die Genüsse sind so ungewöhnlich, dass man sich jedes Mal erneut darauf freut.
Je weiter die Geschichte voranschreitet, erhellen sich Zusammenhänge, denn der Autor wirft ganz hintergründig einen informativen Blick auf die koloniale Praxis des 19. Jahrhunderts: Macht, Manipulationen, Gier – unter dem Mäntelchen der Rechtschaffenheit bereichern sich die Einflussreichen skrupel- und schonungslos: „In seinem Plan, die Welt zu beherrschen, übersäte er die Meere mit Freibeutern und Mördern, setzte die Royal Navy zu seinem Vorteil ein und zwang sogar die Krone, ihm den Aufbau privater Armeen in Afrika und Indien zu erlauben. Der Teufel selbst hätte nicht so viele Fäden ziehen können.“ (S. 237)
Kenntnisreich recherchiert, spannend geschrieben – ein deftiger Abenteuerroman mit sanftem Humor zum Abtauchen in eine andere Welt.

Sie finden „Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel“ bei den Romanen unter der Signatur Brow

Eli Brown, Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel

September 2017

Birgit Vanderbeke
Die sonderbare Karriere der Frau Choi
S. Fischer Verlag 2007, ISBN: 978-3-10-087086-5

Zugegeben, ich hatte noch nie etwas von Birgit Vanderbeke gelesen, die bereits im Jahr 1990 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt. Eine Freundin empfahl sie mir, speziell das Buch „Die sonderbare Karriere der Frau Choi“.
Ohne zu zögern nehme ich den Titel nun in meine Rubrik „Schätze der Bibliothek“ auf. Denn in diesem schmalen Bändchen steckt ein etwas anderer Krimi. Eigentlich gar nicht so wirklich ein Krimi.
Erzählt wird die Geschichte eines Dorfes im Südwesten von Frankreich, ein richtiges Nest, fernab vom Rest der Welt, wo die Geschichten von Werwölfen und der Weißen Frau noch greifbar lebendig sind, und in das sich nur im Sommer einige Touristen verirren. In dieses Nest zieht eines Tages Frau Choi aus Gwangju. Und dadurch gerät einiges in Bewegung. Denn Frau Choi eröffnet ein Restaurant und erwirbt ein Grundstück, auf welchem sie bekannte und unbekannte Pflanzen anbaut, die sie für ihre Rezepte benötigt. Auch das ein oder andere Wehwehchen wird mit Frau Chois Wissen um die Wirkung von Kräutern und Pilzen kuriert. Dass sie mit den seltsamen Todesfällen in Verbindung stehen könnte, von denen man neuerdings hört, ist reine Spekulation.
Die Beharrlichkeit und der Einfallsreichtum der Südkoreanerin setzen auch bei den Einwohnern kreative Kräfte frei. Wir sehen zu, wie das Nest in Schwung kommt: Frau Chois Restaurant lockt die Gourmet- und Architekten-Szene an, touristische Attraktionen werden professioneller präsentiert, die hiesige Geflügelfarm kann sich vergrößern – kurzum, das ganze Dorf macht gute Geschäfte.
Vanderbeke schreibt in einem eigenartigen, soghaften Sprachduktus, der wie eine Reportage anmutet. Der Klappentext nennt ihn „graziös“. Immer mal wieder werden die Lesenden auch direkt angesprochen. Dazu kommt ein feiner, schelmischer Humor, der einen schmunzeln lässt.

Sie finden „Die sonderbare Karriere der Frau Choi“ bei den Krimis unter der Signatur Vand

Birgit Vanderbeke, Die sonderbare Karriere der Frau Choi


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