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Was feiern wir?

Auszug aus dem Lorscher Codex

Das Jahr 2016 ist für Schwetzingen ein ganz besonderes Festjahr. Denn am 21. Dezember 766 wurde „Suezzingen“ erstmals im Urkundenbuch des Reichsklosters Lorsch an der Bergstraße, dem "Lorscher Codex", erwähnt. Somit blickt Schwetzingen im Jahr 2016 auf eine stolze Geschichte von 1250 Jahren zurück. Aus diesem Anlass wird das Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen und gemeinsam mit und für die Schwetzinger Bürgerinnen und Bürger gefeiert.
Während der Regierungszeit des Frankenkönigs Pippin und unter Abt Gundeland schenkte eine Frau mit dem Namen Agana dem heiligen Nazarius, dem das Kloster Lorsch geweiht war, zahlreiche Ländereien zum Heil ihrer Seele. Wir wissen nicht, wer Agana war. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie einer begüterten Familie entstammte, die Grundbesitz in Schwetzingen hatte. Ihre Schenkung wurde von einem Notar oder Gerichtsschreiber im Kloster Lorsch unter Anwesenheit von Zeugen zu Papier gebracht. Diese Form der Dotation war damals gängige Praxis zur Vergebung der Sünden. Durch die Vielzahl der Stiftungen wurde das Kloster Lorsch eines der bedeutendsten Klöster Südwestdeutschlands und 772 schließlich zur Reichsabtei mit Immunitätsrechten erhoben. Für Schwetzingen sind fünfundzwanzig weitere Schenkungen verzeichnet, die dem Kloster von unterschiedlichen Stiftern zum immerwährenden Eigentum übereignet wurden und bis ins Jahr 841 reichen. Darin werden neben Ländereien auch Leibeigene genannt, die an das gestiftete Gut gebunden waren. Diese Dichte an Schenkungen, einen Ort oder Gemarkung betreffend, ist in der Klosterüberlieferung eher die Ausnahme. Für die Schwetzinger Stadtgeschichte ist die Urkunde von 807 besonders bedeutsam, da hier von einem „Suezzingen Superiore“, also einem „Oberdorf“, die Rede ist, welches noch heute im Gegensatz zum „Unterdorf“ im Stadtgebiet gut erkennbar ist.
Der Schenkungseintrag und somit die Ersterwähnung Schwetzingens ist in der Urkunde 750 nachzulesen.

In freier Übersetzung besagt diese Urkunde:

Urkunde 750 (21. Dezember 766 - Reg. 99)

Schenkung der Agana in denselbem Dorf unter König Pippin und Abt Gundeland
Im gleichen Jahr (15. Köngisjahr) und unter den oben genannten Fürsten (Pippin, Gundeland) mache ich, Agana, zum Heil meiner Seele dem heiligen Märtyrer Gottes Nazarius, welcher im Kloster Lauresheim (Lorsch) ruht, was ich an Besitzungen in Suezzingen (Schwetzingen) habe.
So übereigne ich (es) mit Ländereien, Gebäuden, Feldern, Wiesen, Weiden, Wäldern, gehegten und ungehegten, gänzlich in Gottes Namen ewig zum Besitz. (Getätigt) an dem Ort, der Lauresheim genannt wird, am 21. Dezember Zeichen der Agana, die diese Schenkung gemacht hat, Zeichen des Radlach, Hartwich, Ruotbert.
Wiglar hat (es) geschrieben.

(von links:) Oftersheims damaliger Bürgermeister Helmut Baust und Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl werfen in Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr im Mai 2014 gemeinsam mit Archivar Joachim Kresin einen Blick auf die Einträge im Faksimile des Lorscher Codex. Foto: Stadt Schwetzingen

Zur Erläuterung des Textes ist anzumerken, dass auch die Nachbargemeinde Oftersheim im Jahr 2016 das gleiche Jubiläum feiern wird. Auch hier ist eine Schenkung im Lorscher Codex verzeichnet, datiert auf den 29. Juni 766, also rund ein halbes Jahr früher als Schwetzingen. Die Eintragung dieser Übereignung findet sich im Codex vor der Eintragung Schwetzingens, was erklärt, dass sich der Schwetzinger Schenkungstext auf den vorherigen Eintrag zu Oftersheim bezieht.
Dieser lautet im Original:

Urkunde 812 (29. Juni 767 – Reg. 187)
 
Schenkung von Rutpert und Tietrad in Oftersheim unter König Pippin und Abt Gundeland
Im 15. Regierungsjahre unseres Herrn, des Königs Pippin, führen wir, Ruotpert und meine Gattin Tietrad, eine Übereignung durch. Sie sei ein Geschenk für den hochheiligen Märtyrer Nazarius, dessen Leib in dem in pago rinensi (im Oberrheingau) am Flusse Wischoz (Weschnitz) gelegenen Kloster Lauresham (Lorsch) ruht, und ebenso auch für jene fromme Gemeinschaft von Mönchen, welche ebendort unter der Leitung ihres Abtes, des ehrwürdigen Herrn Gundeland, dem Gottesdienst obliegen. Wir wünschen, daß unsere Vergabung von ewiger Dauer sei. Sie erfolgt auf Eingebung Gottes, zu unserem Seelenheile und um der ewigen Wiedervergeltung willen, damit wir es verdienen, Nachlaß unserer Sünden zu erlangen. Wir bestätigen, daß unsere Gabe vollkommen freiwillig erfolgt. Wir schenken unser Eigentum in der in pago lobodunensi (im Ladengau), in Chiricheimmero marcha (in der Gemarkung Heidelberg-Kirchheim) gelegenen Ortschaft Offtreshem (Oftersheim sw. Heidelberg), und zwar einen Knecht mit Namen Wolfwin, eine Hofreite, in welcher jener wohnt, und das Zubehör (jener Hofreite): Äcker, Felder, Wälder, Wohnhäuser, Wirtschaftsbauten, Weiden, Wege, bebaute und unbebaute Flächen, Wasserstellen und Wasserläufe. Wir übergeben und übertragen alles unter dem heutigen Tage aus unserem Besitzrecht in das Eigentums- und Herrenrecht des Hl. N(azarius). In Gottes Namen möge er es auf ewig innehaben. Es folgt der ordnungsgemäße Vertragsabschluß. Geschehen im Kloster Lorsch am 29. Juni 767. Handzeichen von Ruotpert und seiner Gemahlin, welche diese Schenkung in die Wege geleitet haben und fertigen ließen. Gleichfalls das Handzeichen von Wacco. Samuel hat (diese Urkunde) geschrieben.
 

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