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OB Pöltl zur städtebaulichen Entwicklung des Alten Messplatzes

„Grundlagen zur möglichen Bebauung des Alten Messplatzes stehen noch nicht fest – detaillierte öffentliche Diskussion noch verfrüht“​

Über die Presse und die sozialen Netzwerke erfolgt aktuell eine Diskussion über eine mögliche Umnutzung und Bebauung des Alten Messplatzes in Schwetzingen. Dabei werden viele Informationen verbreitet, die den bislang bekannten Fakten nicht entsprechen. Darüber hinaus wurde eine Unterschriftenaktion gestartet, die ebenfalls nicht zutreffende Informationen gibt. Oberbürgermeister Dr. René Pöltl stellt deswegen klar:
 
„Nachdem ein Schwetzinger Hotelbetreiber mit Informationen zu einer möglichen Umnutzung des Alten Messplatzes an die Öffentlichkeit getreten ist, wird in Teilen der Schwetzinger Bevölkerung eine Diskussionen über eine künftige Nutzung dieser innerstädtischen Entwicklungsfläche geführt. Es ist immer zu begrüßen, dass mögliche städtische Entwicklungsprojekte von der Bürgerschaft aufgegriffen, diskutiert und begleitet werden. Allerdings halte ich es doch für sinnvoll, solche Diskussionen erst zu führen, wenn allen Beteiligten die Rahmendaten und Fakten bekannt sind. Vorliegend werden dagegen verschiedenste Informationen verwendet, die nicht zutreffen. Auf dieser Basis können sich interessierte Bürger/innen keine fundierte eigene Meinung bilden, sondern laufen Gefahr, in die Irre geführt zu werden. Möglich Befragungen können damit keine realistische Aussagekraft haben.
Die Stadt Schwetzingen ist aktuell noch nicht in der Lage, die interessierten Bürger/innen über das von einem Entwickler angedachte Projekt zur städtebaulichen Neugestaltung des Alten Messplatzes zu informieren, weil die für eine solche Entwicklungen grundlegende Rahmendaten, Bedingungen und Fakten noch nicht ausreichend feststehen. Derzeit werden diese vom Projektentwickler in enger Abstimmung mit dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung erarbeitet. Sobald feststeht, ob überhaupt und wie die angedachte Entwicklungsmaßnahme umgesetzt werden könnte, werden die interessierten Bürger/innen – wie bei allen anderen Schwetzinger Entwicklungsprojekten der letzten Jahre – informiert, eingebunden und um Meinungsbildung gebeten. Auf der jetzigen Grundlage mit vielen ungeklärten Fragestellungen und Unsicherheiten wäre dies weder möglich noch angezeigt. Es sind aber definitiv noch keine Vorentscheidungen gefallen.
Aktuell ist der Alte Messplatz eine asphaltierte Großfläche mit parkenden Autos und damit für diesen Bereich der Innenstadt wenig attraktiv. Es steht die Funktionalität als öffentlicher Parkplatz im Vordergrund. Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts und der Notwendigkeit, neben Wohnraum auch die Innenstadt attraktivierende Projekte durchzuführen, muss eine Umgestaltung des bisherigen Parkplatzes ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Bereits jetzt lässt sich sagen, dass es für den Gemeinderat und die Stadt mehrheitlich nicht denkbar ist, die auf dem Alten Messplatz bestehenden Parkplätze im Rahmen einer Neubebauung entfallen zu lassen. Vielmehr würde ein Großteil dieser öffentlichen Parkplätze – analog zum früheren Granitzky-Parkplatz – in eine attraktive öffentliche Tiefgarage verlegt werden müssen. Unzutreffend ist die Behauptung, dass die Hälfte der Parkplätze entfallen würde, vielmehr würden zumindest rund 100 öffentliche Parkplätze dort erhalten bleiben. Hinzu kommt, dass in der Regel im direkt angrenzenden Wildemann-Parkhaus täglich über 100 Parkplätze frei sind und bereits jetzt ungenutzt zu Verfügung stehen. Ein Wegfall des Großteils der bislang bestehenden öffentlichen Parkplätze wird nicht erfolgen. Ob eine Entwicklung des Alten Messplatzes unter der Notwendigkeit des Baus eines für die Stadt mit erheblichen Investitionen verbundenen neuen öffentliche Parkhauses möglich ist, ist noch nicht entschieden und bedarf einer weitergehenden Diskussion, deren Ausgang offen ist. Ohne eine neue öffentliche Tiefgarage erscheint eine Nutzung der Entwicklungsfläche indes schwerlich möglich und dies unabhängig davon, welche Nutzungsart dort verwirklicht würde.
 

Ob darüber hinaus das vom Investor – neben der geplanten Wohnbebauung – vorgeschlagene Hotel verwirklicht wird, ist ebenso offen und hängt zunächst davon ab, wie Bedarf und Auswirkungen vom beauftragten neutralen Gutachter gesehen werden. Grundsätzlich steht für die Stadt Schwetzingen der Gedanke im Vordergrund, dass eine lebendige Innenstadt mit Geschäfts- und Restaurantstruktur nur existieren kann, wenn die dauerhafte Frequenz an möglichen Kunden groß genug ist. Allein durch die Schwetzinger/innen wird ein Überleben der zum Glück in Schwetzingen noch vorhandenen guten Geschäftsstruktur im Handel zunehmend schwieriger. Wir haben alle kein Interesse, dass nur noch bestimmte Geschäftszweige die Innenstadt dominieren. Ein in der Innenstadt fußläufig gelegenes 4-Sterne-Hotel könnte dauerhaft zusätzliche Gäste in die Innenstadt bringen und wichtige zusätzliche Einnahmen für die Geschäfte der Innenstadt generieren. Hinzu kommt, dass wir in Schwetzingen für Gäste, die nur in einem 4-Sterne-Hotel übernachten wollen – weil sie diesen Standard für sich wollen –, und für Tagungsgäste kein eigenes Angebot haben, solche Gäste weichen zwingend in die Nachbarstädte aus. Ob der Bedarf groß genug ist und welche Auswirkungen ein solches Projekt auf die bestehenden Hotelangebote hätte, vermögen weder Gemeinderat noch Verwaltung und Stadtspitze aus eigener Kenntnis und Erfahrung zu beurteilen. Auch wenn der Investor aufgrund seiner Prüfung dies positiv sieht, hat die Stadt Schwetzingen deshalb eine eigene Begutachtung dieser Fragestellung in Auftrag gegeben, da nur auf den dann vorliegenden objektiven Fakten eine abschließende Beurteilung erfolgen kann. Diese ernsthafte Prüfung ist wichtig, da der Alte Messplatz die letzte städtische Entwicklungsfläche in der Innenstadt ist und spätere Korrekturen nicht mehr möglich sind. Sollte Schwetzingen auf im Übernachtungsbereich veränderte Bedarfe reagieren müssen, kann dies absehbar nur noch im Rahmen der möglichen Bebauung des Alten Messplatze geschehen. Unstrittig ist, dass wir im Bereich der 3-Sterne-Hotels und der Pensionen ordentlich ausgestattet sind. Dass Schwetzingen als ausgeprägte Besucherstadt mit allein rund 800.000 Schlossgartenbesucher/innen im Jahr auch Übernachtungsstandort ist, dürfte ebenso unstrittig sein.
 Wenn die für die weitere Diskussion und Entscheidungen notwendigen Fakten bekannt sind und vorliegen, wird die Stadt Schwetzingen – wie in allen anderen Fällen– natürlich auch die Bürger/innen informieren und die Meinung und Kenntnis der Bürgerschaft einbinden. Bis dahin sollten wir uns die Zeit nehmen, die notwendig ist, um eine so grundlegende Fragestellung zu klären und dann die richtigen Entscheidungen auf fundierter Grundlage treffen.