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Kunst im öffentlichen Raum

Der Schwetzinger Schlossgarten beherbergt – wie kann es sich bei einem Garten des 18. Jahrhunderts auch anders verhalten – eine Fülle von Skulpturen.

Kunst und Geschichte

Der Schwetzinger Schlossgarten beherbergt – wie kann es sich bei einem Garten des 18. Jahrhunderts auch anders verhalten – eine Fülle von Skulpturen. Götter und Halbgötter der antiken Sagenwelt geben sich ein Stelldichein mit Allegorien der Naturelemente und Jahreszeiten. Ergänzt durch Motivvasen und -urnen, Löwen, Vogelgetier und Sphingen bilden sie ein kompaktes Ensemble, das Indizien für die Gesinnung und das Herrscherprogramm des Kurfürsten Carl Theodor liefert.
Auch das Schwetzinger Stadtgebiet verfügt über eine stattliche Anzahl von Skulpturen und Objekten. Diese stammen aus unterschiedlichen Zeiten und wurden in unterschiedlichen Stilen verfasst. Sie dienen dem Gedenken, der Äußerung einer Weltanschauung oder folgen der Maxime des „l´art pour l´art“. Neben diesen im Verborgenen oder an prominenter Stelle platzierten Bildwerken lohnt es sich, einige Beispiele von „Kunst am Bau“ und eine Bodenbemalung im öffentlichen Raum zu betrachten.


Bildstöckel

1496, Brühler Weg

Das älteste Objekt im öffentlichen Raum ist ein Bildstöckel des Jahres 1496. Bei dem religiösen Kleindenkmal handelt es sich um ein „Marterl“, einen Gedenkstein
zur Erinnerung an einen Unfall. Dieser hat sich in der Mannheimer Straße ereignet, bei dem ein Mann von einem Pferd erschlagen und am Unfallort bestattet wurde. Das flache, vergitterte Tabernakel auf hoher Säule enthält ein Reliefmedaillon des Dornengekrönten und ermahnt so zum Gebet. 1959 wurde das Bildstöckel an den heutigen Standort versetzt.


Otto Mindhoff: Kriegerehrenmal

1970 Friedhof

Otto Mindhoff entwarf 1970 das Kriegerehrenmal, das den Toten beider Weltkriege gedenkt. Ein monumentales, aus Aluminiumguss gearbeitetes Kreuz trägt das imposante Relief des Gekreuzigten. Für ein Kriegerehrenmal ist die Darstellung untypisch, doch wollte Mindhoff bewusst ein Gleichnis zwischen dem Martyrium Christi und dem Schicksal der gefallenen Soldaten erstellen: Der Gekreuzigte ist in seiner charakteristischen additiven Formensprache dargestellt. Das dornengekrönte Haupt vermittelt ein Höchstmaß an Leid, das den Gefallenen, die ihr Leben opferten, und den Hinterbliebenen gilt.


Renée Sintenis: Berliner Meilenstein

1957, Berliner Straße / Berliner Platz

Schwetzingen ist Teil eines bundesweiten Netzwerks an Meilensteinen, zu dem der Berlin-Beauftragte der Bundesregierung, Gerd Bucerius, Mitte der 1950er Jahre
aufrief. Diese tragen eine Umrisszeichnung des Berliner Bären der Bildhauerin Renée Sintenis. Daneben ist die Distanz in Kilometern zur damaligen Hauptstadt des dreigeteilten Deutschlands aufgeführt, vielmehr zum dortigen Dönhoffplatz, auf dem die Kopie des Preußischen „Null-Meilensteins“ (1730) steht.


Otto Mindhoff: Außenfassade Wildemann Tiefgarage

1989, Wildemannstraße

Otto Mindhoffs charakteristische Formensprache kommt bei der Gestaltung der Außenfassade der Tiefgarage Wildemannstraße vollkommen zum Tragen. Das monumentale Betonrelief überzieht fast vollständig die Fassade. Bei längerer Betrachtung entfalten sich hier, gemäß der Funktion des Trägergebäudes, stilisierte Darstellungen von Automobilen und Fahrzeugteilen. Vor diesem Hintergrund können die dominanten fließenden Linien als Hinweis auf Dynamik angesehen werden. Das Relief ist in der bevorzugten Farbe des Künstlers – monochrom blau – gefasst.


Jens Andres: Trouble Makers

2008, alter Messplatz

Mit der Bodenbemalung „Trouble Makers“ stellt der Mainzer Künstler Jens Andres, in einer Verbindung von Humor und Tiefgang,im öffentlichen Raum Irritation her. Auf dem Parkplatz Alter Messplatz markierte er einige der eingezeichneten Parkplätze mit weiß gefärbten Piktogrammen auf blauem Untergrund. Farblich korrekt signalisieren diese den Parkenden, dass hier nur Ufos, Kühe oder Vögel parken dürfen. Mit diesen launigen Bodenmalereien hinterfragt Jens Andres die Wahrnehmung des Menschen und dessen allgegenwärtige Gewohnheit an Geboten und Verboten.


Friedrich Th. Fischer: Hebelgrab

1854, Hebelplatz am Platz der Freundschaft

Das Hebelgrab erinnert an den plötzlichen Tod des alemannischen Dichters Johann Peter Hebel am 22. September 1826 in Schwetzingen, der ihn im Laufe eines Aufenthaltes bei dem befreundeten Johann Michael Zeyher, dem großherzoglichen Gartendirektor, ereilte. Schon am darauffolgenden Tag fand die feierliche Beisetzung auf dem Alten Friedhof statt. Seit 1854 schmückt ein Denkmal aus Gelbsandstein die letzte Ruhestätte, das nach einem Entwurf von Oberbaurat Fischer aus Karlsruhe gearbeitet wurde. Ein Porträtmedaillon trägt das lorbeerbekränzte Profil des Verstorbenen.


Heinz Friedrich: Wandmalerei Johann Peter Hebel

2001, Hebelplatz

2001 entstand die Fassadengestaltung des Johann-Peter-Hebel-Heims, unweit des Hebelgrabes. Heinz Friedrich entwarf
die stattliche Gestalt des Dichters, Pädagogen und Prälaten. Kleidung und Requisiten verweisen auf seine vielfachen Tätigkeiten. Gebäude geben Hinweise auf Orte, die mit Hebels Leben und Wirken in einem engen Zusammenhang stehen: der Geburtsort Basel, der Ort seiner Kindheit Hausen im Wiesental, die Städte seines Wirkens als Pädagoge und Prälat, Lörrach und Karlsruhe, und schließlich der Sterbeort Schwetzingen.


Otto Mindhoff: Technoid, 80er Jahre

Xylon-Museum, Kronenstraße

Mit der Plastik „Technoid“, die Anfang der 80er Jahre entstanden ist, erhielt das zentrale Motiv des bildnerischen Schaffens von Otto Mindhoff eine dreidimensionale Form. In der Malerei und Druckgrafik taucht ab Beginn der 60er Jahre der monumentale, stilisierte Kopf in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Er verkörpert die Begegnung von Mensch und Technik und deren Konfrontation im täglichen Leben. Hintereinander gestaffelte Köpfe befinden sich in maschinenartigen Konstruktionen, die das unausweichliche Ausgeliefertsein einer zunehmenden Technisierung versinnbildlichen.


Achim Freyer: Liebe

1991, Xylon-Museum, Kronenstraße

Der international bekannte Opernregisseur, Bühnenbildner und Bildende Künstler Achim Freyer entwarf das Objekt „Liebe“ im Jahre 1991. Maskenartig stilisierte Gesichter bilden den Anfang und das Ende einer gigantischen Spirale, die eine totale Verschmelzung des „Du“ im „Ich“, gehalten durch das starke Gefühl innerer Verbundenheit, vermittelt, zugleich die Unmöglichkeit des Entrinnens. Hierfür liefern Teufelshörner an einer der Masken ein Indiz. Alles in allem offenbart sich mit diesem Objekt der Segen und Fluch der Liebe.


Otto Schliessler: „Ursula“

1935, Innenhof Rathaus, Hebelstraße 1

Die schlanke Mädchengestalt (im Volksmund „Ursula“) wurde 1935 als Brunnennymphe von Otto Schließler geschaffen, der dem Gestaltungskanon
des Nationalsozialismus folgte. Sie war Teil einer konzeptionellen Anlage bei den „Drei Brücken“ in der Schwetzinger Oststadt, die eine architektonische Bekundung der „neuen Zeit“ und als Kulisse für Reden und Ehrungen ausgerichtet war. Über ihrem Kopf hält die Nymphe eine Schale, von der aus ein transparenter Vorhang aus Wasser als „Bekleidung“ herabfloss. Heute steht die Figur im Innenhof des Rathauses.


Heinz Friedrich: Ein Jäger aus Kurpfalz

1984, Hebelstraße / Gänsplatz

Die Wandmalerei „Ein Jäger aus Kurpfalz“ ziert seit 1984 eine Hausfassade am Gänsplatz. Die dynamische Komposition zeigt den historischen Jäger, hinter dem sich Pfalzgraf Johann Casimir (1543-1592) verbirgt. Lakaien, erlegtes Wild und eine aufgeregt herumspringende Hundemeute runden die lebendige Szene ab. Alle Figuren sind in der Mode des 18. Jahrhunderts gekleidet, folglich liegt hiermit ein Sinnbild für die kurfürstlichen Jagden allgemein vor, die vor allem in der Carl- Theodor-Zeit fast täglich von der Sommerresidenz aus abgehalten wurden.


Fidelis Bentele: Gänsehüter

1985, Hebelstraße, Hebelstraße / Gänsplatz

1985 wurde der von Professor Martinsohn gestaltete Gänsbrunnen gegenüber des Rathauses aufgestellt. Die Bronzegruppe eines Flöte spielenden Gänsehüters bewacht zusammen mit einigen wasserspeienden Gänsen das Brunnenrund. Der Bildhauer Fidelis Bentele aus Oberstaufen im Allgäu bediente sich eines expressiven Stils. Die in sich geschlossene Figurengruppe strahlt eine fast poetische Ruhe aus. Der Hirtenjunge ist vollkommen in sein Flötenspiel versunken und lässt so nachvollziehen, dass er einem „tief religiösen Engagement des Künstlers entspringt.“


Guido Messer: Die Claques

2002, Hebelstraße/Gänsplatz

Für die Figurengruppe „Die Claques“ platziert Guido Messer Büsten von vier identischen männlichen Figuren auf grazile Postamente. Eines sticht aufgrund der signalroten Einfärbung aus diesem gleichartigen Konglomerat heraus. Eventuell könnte es sich hierbei um die Hervorhebung eines „primus inter pares“ handeln. Die Augen der applaudierenden Stimmungsmacher sind geschlossen, was die Frage aufwirft: Was oder wer wird hier „unbesehen“ von einer kollektiven Masse beklatscht? Der Künstler äußert hiermit seine allgemeine Autoritäts-, Obrigkeits- und Demokratiekritik.


Matthias Braun: Gedenkstätte für die Opferdes Nationalsozialismus

2013, Schlossstraße

2013 wurde die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus eingeweiht. Matthias Braun wählte eine figürliche Gestaltung, um zu verdeutlichen, dass es sich um Individuen handelte, die unverschuldet ins Fadenkreuz gerieten, verfolgt, emigriert, deportiert, ihrer Heimat und Familie beraubt und getötet wurden. Das Spiegeln der Betrachter in den polierten Körpern verdeutlicht, dass die Verfolgten und die Täter Menschen wie „Du und Ich“ waren. Opfer, Täter, Mitwisser und alle nachfolgenden Generationen gehen eine untrennbare Verbindung im Spiegel der Historie ein.


Umkreis P. A. von Verschaffelt: Mariengruppe

ca. 1762, St. Pankratius Schlossstraße

Das Werk zeigt eine deutliche stilistische Nähe zu Werken Peter Anton von Verschaffelts, die der Hofbildhauer des Kurfürsten Carl Theodor zwischen 1760 und 1769 in Anlehnung an den Kanon der klassischen Antike für den Schlossgarten schuf. Die Krone mit 12 Sternen, das Zepter und die Mondsichel der Himmelskönigin und vor allem der Lanzenstoß des Christuskindes definieren den Typus der Maria vom Siege bzw. Mondsichelmadonna. Eine Kopie der Figurengruppe bekrönt – in vertauschter Anordnung der Attribute – den Kirchengiebel.


Umkreis P. Egell: Hlg. Nepomuk

1751, Schlossstraße

Bis 1883 stand die Skulptur des Heiligen Nepomuk an der Johannesbrücke des Oftersheimer Weges. Danach wurde sie an ihre heutige Position, ab 1968 als Kopie (Original befindet sich im Museum) an die Nordostecke des Schlossbezirks versetzt. Der Hlg. Nepomuk ist mit üblichen Attributen und Kleidung dargestellt. Die hervorragende Bildhauerarbeit, die außerordentliche Detailfreude und die verinnerlichte, in sich ruhende, fast meditative Figurenauffassung lassen auf eine meisterliche Hand aus der Werkstatt des Hofbildhauers Paul Egell (seit 1750) schließen.


Denis Kolb: Gedenkstein Schwetzinger Thora

2005, Zeyherstraße

Der Gedenkstein erinnert an die Deportation der badischen Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940. Entwurf und Umsetzung resultierte aus einem ökumenischen Jugendprojekt (2002-05), an dem 137 Deportationsorte in Baden beteiligt waren. Kopien der 137 Gedenksteine bilden ein Mahnmal auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend (Neckarzimmern). Die Thora-Rolle bezieht sich auf eine Begebenheit des Jahres 1940 in Schwetzingen, als NS-Schergen in den Versammlungsraum der jüdischen Mitbürger eindrangen, die Thora entwendeten und den Flammen übergaben.


Wappen von Kurfürst Johann Wilhelmund Kurfürstin Anna de´ Medici

ca. 1710, Schlossplatz

Zwei prächtige barocke Wappen flankieren das schmiedeeiserne Eingangstor zum Ehrenhof des Schwetzinger Schlosses. Die vortreffliche Bildhauerarbeit entstand im Zusammenhang mit dem Auf- und Ausbau des Schlosses in eine barocke Dreiflügelanlage unter Kurfürst Johann Wilhelm und dessen Gattin Anna de Medici. Die Wappen bezeichnen beide Adelshäuser und zeugen zugleich von einer überaus harmonischen Ehe, die einst aus Staatsräson geschlossen wurde. Mit Anna de Medici, der letzten Repräsentantin ihres Geschlechts, kamen Glanz und Liebe zur Musik und Malerei in die Kurpfalz.


Peter Lenk: Glücksschwein

2016, Schlossplatz

Peter Lenks Skulpturen zeichnen sich durch intelligenten Tiefsinn und beißenden Humor aus. Mit Carl Theodor ging der Bildhauer milde um. Hoch oben auf einem Säulenpostament reitet er in Begleitung einer spärlich bekleideten Rokokodame auf einem Schwein. Die Darstellung bezieht sich auf eine Anekdote, derzufolge ihn Friedrich der Große als „einen faulen Kerl und Glücksschwein, das mehr Länder geerbt, als er selbst erobert“ bezeichnete. Die kokette Dame bietet ein Sinnbild für die Musen und die Mätressen des kunstsinnigen Souveräns.


Franz W. Müller-Steinfurth: Spargelfrau

1990, Schlossplatz

Mit der Figurengruppe der Spargelfrau ist das Wahrzeichen für Schwetzingens Premiumthema, die fast 350jährige Geschichte des lokalen Spargelanbaus, versinnbildlicht. Eine Spargelbäuerin bietet hier einem kleinen Mädchen ihre Ware feil. Ihr Hündchen Nico und weitere Requisiten runden die geschlossene Figurengruppe ab. Mit der naturalistischen Wiedergabe der Figuren und Requisiten folgte der Speyerer Bildhauer Franz W. Müller-Steinfurth dem ausdrücklichen Wunsch des Stifters, Ehrensenator Herbert Prechtel. Er zielte auf eine real-körperliche Formensprache ab, die rein der Verständlichkeit dient.


Thomas Baumgärtel: Spraybanane

2008, Palais Hirsch, Schlossplatz

Der als Bananensprayer in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangene Thomas Baumgärtel stellte 2008 in der Orangerie des Schlosses aus. Analog zu unzähligen Gebäuden im In- und Ausland hat er auch in Schwetzingen als Dank und Anerkennung je eine seiner berühmten Bananen am Eingangstor der Orangerie und an der Fassade des Palais Hirsch hinterlassen. Diese sind Teil einer weltweiten Präsentation von mehr als 4.000 Spraybananen an Fassaden, hinter denen Kunst verortet ist.




Ansprechpartner

Frau Dr. Barbara Gilsdorf
Kulturreferentin
Telefon: (0 62 02) 87-137
Fax: (0 62 02) 87-138
Gebäude: Hebelstraße 1
Raum: 110

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