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Kunst im öffentlichen Raum

Der Schwetzinger Schlossgarten beherbergt – wie kann es sich bei einem Garten des 18. Jahrhunderts auch anders verhalten – eine Fülle von Skulpturen.

Kunst und Geschichte

Der Schwetzinger Schlossgarten beherbergt – wie kann es sich bei einem Garten des 18. Jahrhunderts auch anders verhalten – eine Fülle von Skulpturen. Götter und Halbgötter der antiken Sagenwelt geben sich ein Stelldichein mit Allegorien der Naturelemente und Jahreszeiten. Ergänzt durch Motivvasen und -urnen, Löwen, Vogelgetier und Sphingen bilden sie ein kompaktes Ensemble, das Indizien für die Gesinnung und das Herrscherprogramm des Kurfürsten Carl Theodor liefert.
Auch das Schwetzinger Stadtgebiet verfügt über eine stattliche Anzahl von Skulpturen und Objekten. Diese stammen aus unterschiedlichen Zeiten und wurden in unterschiedlichen Stilen verfasst. Sie dienen dem Gedenken, der Äußerung einer Weltanschauung oder folgen der Maxime des „l´art pour l´art“. Neben diesen im Verborgenen oder an prominenter Stelle platzierten Bildwerken lohnt es sich, einige Beispiele im öffentlichen Raum zu „Kunst am Bau“ und eine Bodenbemalung zu betrachten.

Thomas Baumgärtel​: „Ohne Spargel ist alles Banane!“

2018, Grenzhöferstraße 

Der als Bananensprayer in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangene Thomas Baumgärtel stellte 2008 in der Orangerie des Schlosses aus. Analog zu unzähligen Gebäuden im In- und Ausland hat er auch in Schwetzingen als Dank und Anerkennung je eine seiner berühmten Bananen am Eingangstor der Orangerie und an der Fassade des Palais Hirsch hinterlassen. Diese sind Teil einer weltweiten Präsentation von mehr als 4.000 Spraybananen an Fassaden, in denen sich Kunst verortet.
www.bananensprayer.de
www.volksbanane.de

Thomas Baumgärtel: Spraybanane

2008, Palais Hirsch, Schlossplatz

Der als Bananensprayer in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangene Thomas Baumgärtel stellte 2008 in der Orangerie des Schlosses aus. Analog zu unzähligen Gebäuden im In- und Ausland hat er auch in Schwetzingen als Dank und Anerkennung je eine seiner berühmten Bananen am Eingangstor der Orangerie und an der Fassade des Palais Hirsch hinterlassen. Diese sind Teil einer weltweiten Präsentation von mehr als 4.000 Spraybananen an Fassaden, hinter denen Kunst verortet ist.

Mehrdad Zaeri / Christina Laube: „Ahnen, Urahnen“

Hildastraße 2 / Ecke Kronenstraße 

Im Frühsommer 2019 entstand an der Fassade einer zum Privatgymnasium gehörigen Schulsporthalle ein Wandgemälde. Geschaffen haben es Mehrdad Zaeri und Christina Laube, die seit wenigen Jahren als „Duo Sourati“ Wandgemälde im In- und Ausland gestalten. Dieses Erzählerische, Poetische des Buchillustrators und der Buchautorin vermittelt nun auch das Wandgemälde, das den Titel „Ahnen, Urahnen“ trägt. Hier entsendet ein Mädchen Blütengrüße an die Seelen der Ahnen und Urahnen. Das Künstlerpaar zielt hier auf den Ort ab, wo sich Vergangenheit (gegenüberliegender Schlossgarten), Gegenwart und Zukunft (Schule) aufeinandertreffen.

 

Bildstöckel

1496, Brühler Weg

Das älteste Objekt im öffentlichen Raum ist ein Bildstöckel des Jahres 1496. Bei dem religiösen Kleindenkmal handelt es sich um ein „Marterl“, einen Gedenkstein
zur Erinnerung an einen Unfall. Dieser hat sich in der Mannheimer Straße ereignet, bei dem ein Mann von einem Pferd erschlagen und am Unfallort bestattet wurde. Das flache, vergitterte Tabernakel auf hoher Säule enthält ein Reliefmedaillon des Dornengekrönten und ermahnt so zum Gebet. 1959 wurde das Bildstöckel an den heutigen Standort versetzt.

Otto Mindhoff: Kriegerehrenmal

1970 Friedhof

Otto Mindhoff entwarf 1970 das Kriegerehrenmal, das den Toten beider Weltkriege gedenkt. Ein monumentales, aus Aluminiumguss gearbeitetes Kreuz trägt das imposante Relief des Gekreuzigten. Für ein Kriegerehrenmal ist die Darstellung untypisch, doch wollte Mindhoff bewusst ein Gleichnis zwischen dem Martyrium Christi und dem Schicksal der gefallenen Soldaten erstellen: Der Gekreuzigte ist in seiner charakteristischen additiven Formensprache dargestellt. Das dornengekrönte Haupt vermittelt ein Höchstmaß an Leid, das den Gefallenen, die ihr Leben opferten, und den Hinterbliebenen gilt.

Renée Sintenis: Berliner Meilenstein

1957, Berliner Straße / Berliner Platz

Schwetzingen ist Teil eines bundesweiten Netzwerks an Meilensteinen, zu dem der Berlin-Beauftragte der Bundesregierung, Gerd Bucerius, Mitte der 1950er Jahre
aufrief. Diese tragen eine Umrisszeichnung des Berliner Bären der Bildhauerin Renée Sintenis. Daneben ist die Distanz in Kilometern zur damaligen Hauptstadt des dreigeteilten Deutschlands aufgeführt, vielmehr zum dortigen Dönhoffplatz, auf dem die Kopie des Preußischen „Null-Meilensteins“ (1730) steht.

Wir91

Armin Forbrig,1991, Berliner Platz

„Wir91“ von Armin Forbrig nimmt einen direkten Bezug auf die politischen Ereignisse seines Entstehungsjahres. Armin Forbrig wollte hiermit „die nach der staatlichen Einheit Deutschlands sich entwickelnden Probleme zum inneren und zwischenmenschlichen Zusammenwachsen sichtbar machen.“ Der Chemnitzer Bildhauer schuf aus einem ungeglätteten Marmorquader die Illusion eines einst gewaltsam geteilten Blocks, der unentrinnbar mit dicken Tauen zusammengeführt und zu einer vermeintlichen Einheit verbunden wurde. Rückblickend erweist sich die vorausschauende Einschätzung des Wieder-Zusammenwachsens des geteilten Deutschlands als durchaus realistisch.

Otto Mindhoff: Außenfassade Wildemann Tiefgarage

1989, Wildemannstraße

Otto Mindhoffs charakteristische Formensprache kommt bei der Gestaltung der Außenfassade der Tiefgarage Wildemannstraße vollkommen zum Tragen. Das monumentale Betonrelief überzieht fast vollständig die Fassade. Bei längerer Betrachtung entfalten sich hier, gemäß der Funktion des Trägergebäudes, stilisierte Darstellungen von Automobilen und Fahrzeugteilen. Vor diesem Hintergrund können die dominanten fließenden Linien als Hinweis auf Dynamik angesehen werden. Das Relief ist in der bevorzugten Farbe des Künstlers – monochrom blau – gefasst.

Jens Andres: Trouble Makers

2008, Neuer Messplatz, Friedrichstraße, Zeyherstraße

Mit der Bodenbemalung „Trouble Makers“ stellt der Mainzer Künstler Jens Andres, in einer Verbindung von Humor und Tiefgang, Irritation im öffentlichen Raum her. Auf dem Parkplatz Neuer Messplatz, in der Zeyherstraße und in der Friedrichstraße markierte er je zwei der eingezeichneten Parkplätze mit weiß gefärbten Piktogrammen auf blauem Untergrund. Farblich korrekt signalisieren diese den Parkenden, dass hier nur Ufos parken dürfen. Mit diesen launigen Bodenmalereien hinterfragt Jens Andres die Wahrnehmung des Menschen und dessen allgegenwärtige Gewohnheit an Geboten und Verboten.

Friedrich Th. Fischer: Hebelgrab

1854, Hebelplatz am Platz der Freundschaft

Das Hebelgrab erinnert an den plötzlichen Tod des alemannischen Dichters Johann Peter Hebel am 22. September 1826 in Schwetzingen, der ihn im Laufe eines Aufenthaltes bei dem befreundeten Johann Michael Zeyher, dem großherzoglichen Gartendirektor, ereilte. Schon am darauffolgenden Tag fand die feierliche Beisetzung auf dem Alten Friedhof statt. Seit 1854 schmückt ein Denkmal aus Gelbsandstein die letzte Ruhestätte, das nach einem Entwurf von Oberbaurat Fischer aus Karlsruhe gearbeitet wurde. Ein Porträtmedaillon trägt das lorbeerbekränzte Profil des Verstorbenen.

Heinz Friedrich: Wandmalerei Johann Peter Hebel

2001, Hebelplatz

2001 entstand die Fassadengestaltung des Johann-Peter-Hebel-Heims, unweit des Hebelgrabes. Heinz Friedrich entwarf
die stattliche Gestalt des Dichters, Pädagogen und Prälaten. Kleidung und Requisiten verweisen auf seine vielfachen Tätigkeiten. Gebäude geben Hinweise auf Orte, die mit Hebels Leben und Wirken in einem engen Zusammenhang stehen: der Geburtsort Basel, der Ort seiner Kindheit Hausen im Wiesental, die Städte seines Wirkens als Pädagoge und Prälat, Lörrach und Karlsruhe, und schließlich der Sterbeort Schwetzingen.

Otto Mindhoff: Technoid, 80er Jahre

Xylon-Museum, Kronenstraße

Mit der Plastik „Technoid“, die Anfang der 80er Jahre entstanden ist, erhielt das zentrale Motiv des bildnerischen Schaffens von Otto Mindhoff eine dreidimensionale Form. In der Malerei und Druckgrafik taucht ab Beginn der 60er Jahre der monumentale, stilisierte Kopf in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Er verkörpert die Begegnung von Mensch und Technik und deren Konfrontation im täglichen Leben. Hintereinander gestaffelte Köpfe befinden sich in maschinenartigen Konstruktionen, die das unausweichliche Ausgeliefertsein einer zunehmenden Technisierung versinnbildlichen.

Achim Freyer: Liebe

1991, Xylon-Museum, Kronenstraße

Der international bekannte Opernregisseur, Bühnenbildner und Bildende Künstler Achim Freyer entwarf das Objekt „Liebe“ im Jahre 1991. Maskenartig stilisierte Gesichter bilden den Anfang und das Ende einer gigantischen Spirale, die eine totale Verschmelzung des „Du“ im „Ich“, gehalten durch das starke Gefühl innerer Verbundenheit, vermittelt, zugleich die Unmöglichkeit des Entrinnens. Hierfür liefern Teufelshörner an einer der Masken ein Indiz. Alles in allem offenbart sich mit diesem Objekt der Segen und Fluch der Liebe.

Otto Schliessler: „Ursula“

1935, Innenhof Rathaus, Hebelstraße 1

Die schlanke Mädchengestalt (im Volksmund „Ursula“) wurde 1935 als Brunnennymphe von Otto Schließler geschaffen, der dem Gestaltungskanon
des Nationalsozialismus folgte. Sie war Teil einer konzeptionellen Anlage bei den „Drei Brücken“ in der Schwetzinger Oststadt, die eine architektonische Bekundung der „neuen Zeit“ und als Kulisse für Reden und Ehrungen ausgerichtet war. Über ihrem Kopf hält die Nymphe eine Schale, von der aus ein transparenter Vorhang aus Wasser als „Bekleidung“ herabfloss. Heute steht die Figur im Innenhof des Rathauses.

Heinz Friedrich: Ein Jäger aus Kurpfalz

1984, Hebelstraße / Gänsplatz

Die Wandmalerei „Ein Jäger aus Kurpfalz“ ziert seit 1984 eine Hausfassade am Gänsplatz. Die dynamische Komposition zeigt den historischen Jäger, hinter dem sich Pfalzgraf Johann Casimir (1543-1592) verbirgt. Lakaien, erlegtes Wild und eine aufgeregt herumspringende Hundemeute runden die lebendige Szene ab. Alle Figuren sind in der Mode des 18. Jahrhunderts gekleidet, folglich liegt hiermit ein Sinnbild für die kurfürstlichen Jagden allgemein vor, die vor allem in der Carl- Theodor-Zeit fast täglich von der Sommerresidenz aus abgehalten wurden.

Fidelis Bentele: Gänsehüter

1985, Hebelstraße, Hebelstraße / Gänsplatz

1985 wurde der von Professor Martinsohn gestaltete Gänsbrunnen gegenüber des Rathauses aufgestellt. Die Bronzegruppe eines Flöte spielenden Gänsehüters bewacht zusammen mit einigen wasserspeienden Gänsen das Brunnenrund. Der Bildhauer Fidelis Bentele aus Oberstaufen im Allgäu bediente sich eines expressiven Stils. Die in sich geschlossene Figurengruppe strahlt eine fast poetische Ruhe aus. Der Hirtenjunge ist vollkommen in sein Flötenspiel versunken und lässt so nachvollziehen, dass er einem „tief religiösen Engagement des Künstlers entspringt.“

Guido Messer: Die Claques

2002, Hebelstraße/Gänsplatz

Für die Figurengruppe „Die Claques“ platziert Guido Messer Büsten von vier identischen männlichen Figuren auf grazile Postamente. Eines sticht aufgrund der signalroten Einfärbung aus diesem gleichartigen Konglomerat heraus. Eventuell könnte es sich hierbei um die Hervorhebung eines „primus inter pares“ handeln. Die Augen der applaudierenden Stimmungsmacher sind geschlossen, was die Frage aufwirft: Was oder wer wird hier „unbesehen“ von einer kollektiven Masse beklatscht? Der Künstler äußert hiermit seine allgemeine Autoritäts-, Obrigkeits- und Demokratiekritik.

Matthias Braun: Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus

2013, Schlossstraße

2013 wurde die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus eingeweiht. Matthias Braun wählte eine figürliche Gestaltung, um zu verdeutlichen, dass es sich um Individuen handelte, die unverschuldet ins Fadenkreuz gerieten, verfolgt, emigriert, deportiert, ihrer Heimat und Familie beraubt und getötet wurden. Das Spiegeln der Betrachter in den polierten Körpern verdeutlicht, dass die Verfolgten und die Täter Menschen wie „Du und Ich“ waren. Opfer, Täter, Mitwisser und alle nachfolgenden Generationen gehen eine untrennbare Verbindung im Spiegel der Historie ein.

Umkreis P. A. von Verschaffelt: Mariengruppe

ca. 1762, St. Pankratius Schlossstraße

Das Werk zeigt eine deutliche stilistische Nähe zu Werken von Peter Anton von Verschaffelt, die der Hofbildhauer des Kurfürsten Carl Theodor zwischen 1760 und 1769 in Anlehnung an den Kanon der klassischen Antike für den Schlossgarten schuf. Die Krone mit 12 Sternen, das Zepter und die Mondsichel der Himmelskönigin und vor allem der Lanzenstoß des Christuskindes definieren den Typus der Maria vom Siege bzw. Mondsichelmadonna. Eine Kopie der Figurengruppe bekrönt – in vertauschter Anordnung der Attribute – den Kirchengiebel.

Umkreis P. Egell: Hlg. Nepomuk

1751, Schlossstraße

Bis 1883 stand die Skulptur des Heiligen Nepomuk an der Johannesbrücke des Oftersheimer Weges. Danach wurde sie an ihre heutige Position, ab 1968 als Kopie an die Nordostecke des Schlossbezirks versetzt (Original befindet sich im Museum). Der Hlg. Nepomuk ist mit üblichen Attributen und Kleidung dargestellt. Die hervorragende Bildhauerarbeit, die außerordentliche Detailfreude und die verinnerlichte, in sich ruhende, fast meditative Figurenauffassung lassen auf eine meisterliche Hand aus der Werkstatt des Hofbildhauers Paul Egell (seit 1750) schließen.

Denis Kolb: Gedenkstein Schwetzinger Thora

2005, Zeyherstraße

Der Gedenkstein erinnert an die Deportation der badischen Juden nach Gurs am 22. Oktober 1940. Entwurf und Umsetzung resultierten aus einem ökumenischen Jugendprojekt (2002-05), an dem 137 Deportationsorte in Baden beteiligt waren. Kopien der 137 Gedenksteine bilden ein Mahnmal auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend (Neckarzimmern). Die Thora-Rolle bezieht sich auf eine Begebenheit des Jahres 1940 in Schwetzingen, als NS-Schergen in den Versammlungsraum der jüdischen Mitbürger eindrangen, die Thora entwendeten und den Flammen übergaben. 

Wappen von Kurfürst Johann Wilhelmund Kurfürstin Anna de´ Medici

ca. 1710, Schlossplatz

Zwei prächtige barocke Wappen flankieren das schmiedeeiserne Eingangstor zum Ehrenhof des Schwetzinger Schlosses. Die vortreffliche Bildhauerarbeit entstand im Zusammenhang mit dem Auf- und Ausbau des Schlosses in eine barocke Dreiflügelanlage unter Kurfürst Johann Wilhelm und dessen Gattin Anna de Medici. Die Wappen bezeichnen beide Adelshäuser und zeugen zugleich von einer überaus harmonischen Ehe, die einst aus Staatsräson geschlossen wurde. Mit Anna de Medici, der letzten Repräsentantin ihres Geschlechts, kamen Glanz und Liebe zur Musik und Malerei in die Kurpfalz.

Peter Lenk: Glücksschwein

2016, Schlossplatz

Peter Lenks Skulpturen zeichnen sich durch intelligenten Tiefsinn und beißenden Humor aus. Mit Carl Theodor ging der Bildhauer milde um. Hoch oben auf einem Säulenpostament reitet er in Begleitung einer spärlich bekleideten Rokokodame auf einem Schwein. Die Darstellung bezieht sich auf eine Anekdote, derzufolge ihn Friedrich der Große als „einen faulen Kerl und Glücksschwein, das mehr Länder geerbt, als er selbst erobert“ bezeichnete. Die kokette Dame bietet ein Sinnbild für die Musen und die Mätressen des kunstsinnigen Souveräns.

Franz W. Müller-Steinfurth: Spargelfrau

1990, Schlossplatz

Mit der Figurengruppe der Spargelfrau ist das Wahrzeichen für Schwetzingens Premiumthema, die fast 350jährige Geschichte des lokalen Spargelanbaus, versinnbildlicht. Eine Spargelbäuerin bietet hier einem kleinen Mädchen ihre Ware feil. Ihr Hündchen Nico und weitere Requisiten runden die geschlossene Figurengruppe ab. Mit der naturalistischen Wiedergabe der Figuren und Requisiten folgte der Speyerer Bildhauer Franz W. Müller-Steinfurth dem ausdrücklichen Wunsch des Stifters, Ehrensenator Herbert Prechtel. Er zielte auf eine real-körperliche Formensprache ab, die rein der Verständlichkeit dient.

Uhrensäule „Schwetzingen by Horst Hamann“

2017, Bruchhäuserstraße / Ecke Kurfürstenstraße

2016 fand in der Orangerie des Schwetzinger Schlosses die Ausstellung „Schwetzingen by Horst Hamann“ statt. Der renommierte Fotograf, der mit seinen „New York Verticals“ zu Weltruhm gelangte, schoss von Stadt, Schloss und Schlossgarten ein Konvolut an Fotografien, die zu einem großen Teil dauerhaft im Rathaus ausgestellt sind. Vier der Motive, die Hamanns charakteristischen Stil erkennen lassen, sind im öffentlichen Raum präsent, eingelassen in eine Uhrensäule. Diese steht entlang der schnurgeraden Barockachse, die Schloss Schwetzingen mit dem Heidelberger Königstuhl verbindet.

200 Jahre Fahrrad

2017 fand die Kunstaktion „Im Wege stehend VI.“ unter dem Motto „200 Jahre Zweirad“: vier Objekte im öffentlichen Raum erinnern fortan dauerhaft an ein besonderes Ereignis, die erste Fahrt von Karl (Freiherr von) Drais mit seiner Laufmaschine. Der Spross aus niederem Beamtenadel war eng mit Schwetzingen verbunden: von 1805 bis 1807 unterrichtete er als Forstlehrer an der hiesigen privaten Lehranstalt seines Onkels und 1811 trat er hier seinen Dienst als Forstmeister ohne Forstamt an. Am 12. Juni 1817 ereignete sich die Jungfernfahrt der Laufmaschine, die Karl Drais vom Mannheimer Schloss aus auf der alten Kunststraße Richtung Sommerresidenz Schwetzingen führte. Nach etwa 7 Kilometern machte Drais aus unbekannten Gründen an dem nicht mehr existenten Relaishäuschen (damals innerhalb des Schwetzinger Amtsbezirk, heute: Mannheim-Rheinau) eine Kehrtwendung Richtung Mannheim.

Werner Bitzigeio: Drahtlinie

Drahtlinie, 2017, Pigage-Platz

2017 feiert Schwetzingen die Jungfernfahrt von Karl (Freiherr von) Drais mit seiner Laufmaschine, die ihn am 12. Juni 1817 vom Mannheimer Schloss aus Richtung Sommerresidenz Schwetzingen führte. An dieses Ereignis, den Erfinder und dessen Welterfindung erinnert das aus rotem Edelstahldraht gearbeitete Objekt „Drahtlinie“. Werner Bitzigeio zitiert hiermit augenscheinlich die Draissche Laufmaschine. Der im Eifelort Winterspelt lebende Künstler suggeriert, als handele es sich um die dreidimensionale Zeichnung des Erfinders per Draht im Raum.

Peter Nettesheim: Rennradfahrer

2013, Schlossstraße

Ob als Autofahrer, Radler oder Fußgänger, wer vom Schlossplatz aus die Katholische Kirche St. Pankratius ansteuert, ist irritiert. Auf den ersten Blick scheint ein eilig herannahender „Rennradfahrer“ seinen Drahtesel von dem Kirchenvorplatz aus verbotenermaßen auf die Schlossstraße zu lenken. Rasch löst sich die Irritation auf, indem sich der Fahrradfahrer als eine realistisch gearbeitete Holzskulptur entpuppt. Der Künstler stellt seine lebensgroßen Figuren gerne in banalen Situationen dar. Den Rennradfahrer inszeniert er „bewusst als Verkehrssünder“.

Björn Schülke: Luftfahrrad

2017, Breslauerstraße / Ecke Odenwaldstraße

Der Kieler Künstler Björn Schülke präsentiert sein Objekt am Ortseingang von Schwetzingen. Sein Luftrad ist hoch oben auf einer grazilen Edelstahlstange befestigt. Durch die Anbringung eines Höhenruders, von Tragflächen mit Landeklappen und Propellern gibt das Readymade vor, ein funktionierendes Flugobjekt auf Fahrradbasis zu sein. Hierbei legt Schülke eine Finthe, denn bei den Tragflächen handelt es sich um luftdurchlässige Gestänge, das Objekt ist folglich flugunfähig!
 

Kurt Fleckenstein: "LOOK"

LOOK, 2017, Hebelstraße

Die Lichtanstallation „LOOK“ des Mannheimer Künstlers Kurt Fleckenstein entfaltet sich selbstverständlich erst vollkommen nach Einbruch der Dämmerung. Die Illumination durch LED Lampen lässt das Wandobjekt nun in strahlendem Blau erscheinen. Durch die Wechselblinkanlage in den Röhren der beiden Buchstaben „0“ entsteht zusätzlich eine kinetische Komponente, die ein Fahrradfahren auf zwei Rädern suggeriert. Eine Selbstverständlichkeit, dass dieses Objekt eine Außenfassade des „Museums der Farbe Blau“ ziert.

Hüseyin Altin

Intra Muros, 1988, Ederer Passage

Hüseyin Altin wendet bei „Intra Muros“ stilistische Prinzipien der konstruktiven Plastik an. Das Augenmerk liegt auf einem homogenen Zusammenspiel der Materialien Naturstein und Gussstein, sowie der geometrischen Formen Rechteck und Quadrat. Ein Durchbruch des Marmorquaders gewährt einen poetischen Durchblick, zugleich erhält das Vollkommene die Anmutung des Mangelhaften. Das Rationale geht fließend in den emotionalen Bereich über und zeigt all das auf, was - rekurrierend auf Horaz´ „Episteln“ – im Geheimen an Sünde und Verfehlungen stattfinden kann.

Kurfürstliches Wappen

ca. 1759, Carl-Theodor-Straße / Marstall

Kurfürst Carl Theodor regierte von 1742-99 die Kurpfalz. Ab den 50er Jahren weilte er jeweils das halbe Jahr in der Sommerresidenz Schwetzingen. Über den Torbogen am Gebäude des Marstalls prangt das Kurpfälzische Prunkwappen. Zwischen den beiden Wittelsbacher Löwen, bekrönt von dem Kurhut und umgeben von militärischen Requisiten, erscheint das Wappenschild der Territorien Pfalz, Bayer, Jülich, Cleve, Berg, Mörs, Bergen op Zoom, Veldenz, Mark und Ravensburg. Das zentrale Kurschild trägt eine Arabeske, das Sinnbild der Blutbann des Kurfürsten.

Stefan Pietryga: Pyramidenpappel

1997, Bahnhofanlage

Das Markenzeichen des Potsdamer Bildhauers empfängt den Bahnreisenden in der Kulturstadt Schwetzingen. Der schlanke stilisierte Baum erwächst einem pyramidalen Postament aus korrodiertem Stahl. Das Objekt erweckt die Assoziation eines Obelisken oder Totems. Die farbige Fassung könnte in diesem Kontext ein Hinweis auf das „ägyptisch Blau“ sein, das zu den ältesten, künstlich hergestellten Farbpigmenten zählt. Das Blau versinnbildlicht zudem die Naturelemente Wasser und Luft, der mechanisch erschaffene Sockel die ergänzenden Naturelemente Feuer und Erde.

Karl Hoffacker: Jubiläumsbrunnen

1906, Bahnhofanlage

Großherzog Friedrich I. und seine bürgernahe und sozial engagierte Gemahlin Luise von Baden waren so beliebt in Schwetzingen, dass ihnen anlässlich ihres Goldenen Hochzeitsjubiläums ein Brunnen gestiftet wurde. Am 9. September 1906, dem 80. Geburtstag des Regenten, fand genau 100 Jahre nach Konstituierung des Landes Baden die Einweihung statt. Der Brunnen ist inklusiv der Bildnismedaillons des großherzoglichen Paares schlicht und sachlich gehalten. Der Wasserausguss in Form eines Fischkopfes offenbart eine Nähe zum zeitgleichen Jugendstil.

Claus Horstmann-Czech: Colonna d´Arte

1992, Verbindungsweg Kleine Planken / Invalidengasse

Der in Heidelberg ansässige Konstruktivist Horstmann-Czech schuf die ästhetische Skulptur in technischer Perfektion und in einer ebenso kühlen, wie anziehenden Materialkombination von geglättetem Carraramarmor und poliertem Stahl. Trotz des harmonischen Äußeren entstand ein Werk voller Gegensätze. Die Rolle der spitzen Stahlkegel ist nicht geklärt: Bieten sie der sich beugenden Säule der Kunst Schutz oder sind sie Bedrohung? Colonna d´Arte liefert unterschiedliche Deutungsansätze und zeigt prinzipiell in minimalistischer Schönheit die Fragilität von Kunst auf.

Heinz Friedrich: Zauber der Farbe

1984, Mannheimer Straße

In dem Wandgemälde „Zauber der Farbe“ hatte Heinz Friedrich die Gelegenheit, ein Hohelied auf sein primäres Gestaltungsmittel als Künstler zu entwerfen. Hier entfaltet sich die charakteristische, elegante Geschmeidigkeit, expressive Formgebung und farbige Differenzierung des Malers. Er lässt bunten Papageien, Pfauen, eine Tänzerin und ein Harlekin auf dieser Fläche differenziert und virtuos agieren. Der Schöpfer dieser Farbenwelt selbst erscheint als Zauberer verkleidet auf der linken Bildhälfte. Souverän bindet Friedrich die Vorgaben der Fassade in das Bild mit ein.

Hans Volker Dursy:

Hlg. Drei Könige, 1985, Dreikönigstraße

Die Figurengruppe der „Heiligen Drei Könige“ markiert hoch oben in einer Gebäudenische den Zugang zur Dreikönigstraße. Hans Volker Dursy stellte die drei Könige als diesseitige Personen in frontaler Positionierung und nicht als vergeistigte Teilnehmer an einer christlichen Darstellung dar. Tatsächlich fehlt der übliche Bezug zur Weihnachtsgeschichte. Mit der „verkehrten“ Anordnung der Figuren liefert Dursy ein Sinnbild der Klugheit mittels Darstellung der Lebensalter des Greises Balthasar (Vergangenheit), Melchiors im mittleren Mannesalter (Gegenwart) und dem jungen Kaspar (Zukunft).

August Allert:

Gebäudefassade, Friedrichstraße 20, 1902

Eine besonders außergewöhnliche Gestaltung offenbart das Gebäude Friedrichstraße 20. Der frühere Eigentümer, Kunstschreiner August Allert, ließ hier eine „überwältigende Werbefläche“ für „seine im Angebot stehenden Leistungen“ entstehen. Die üppige aus Holz geschnitzte Schmuckfassade zitiert in freier Anlehnung das Heidelberger Renaissance-Gebäude „Haus zum Ritter“. Die Figur des Bernhard von Baden (1428/29-1458) bekrönt zusammen mit dem Wortlaut: „Ars Longa – vita brevis“ die Fassade. Eine weitere Inschrift gedenkt Kurfürst Carl Theodor, der als stattliche Ganzkörperfigur inmitten einer Rundbogennische erscheint.

Heinz Friedrich:

Bockspringer, 1972, Städt. Museum, Marstallstraße

Heinz Friedrich schuf mit dem Bockspringer eine additive Zusammenkunft von geometrischen Grundformen. Die kantige Aufeinanderfolge von Formen fügt sich zu eben jenem aktiven Bockspringer, der über eine gebeugte, statische Figur hüpft. Die Figurengruppe beinhaltet neben Dynamik und Statik den Gegensatz Schwere des Werkstoffs und Fragilität der Einzelformen. Die Fassung mit ihren abwechselnd grauen, weißen und gelben, nicht streng definierten Streifen und Flächen, legt ein expressionistisches Gewand über die Figurengruppe und führt so zu einer homogenen Gesamtwirkung.

Kurt Fleckenstein:

Stadttor resp. „Turner“, 2011, Kreisel Nadlerstraße

Das „Stadttor“ des Mannheimer Künstlers Kurt Fleckenstein weist in der Verbindung von Naturelementen und manuell gestalteten Objekten aus korrodiertem Stahl typische Merkmale seiner Land-Art-Projekte auf. Das Tor mutiert durch die Platzierung eines zierlichen Turners zu einem monumentalen Reck. Der Sportler turnt an der Reckstange bewusst linkisch, um – laut Fleckensteins Konzeptionierung – „den Besucher der Altstadt mit einem Lächeln zu begrüßen.“ Als Trägerobjekt für ein so genanntes „shoefiti“ verleiht die junge Generation dem „Turner“ eine weitere inhaltliche Komponente.

Michael Lîngren:

o.T., 1989, Hans-Thoma-Straße

Mit einer unbetitelten Figur eines Engels ist ein Objekt des in der Region Rhein-Neckar bekannten und in Neckargemünd ansässigen Bildhauers Michael Lîngren in Schwetzingen, im Außenbereich der katholischen Kirche St. Maria, vertreten. Die geometrischen Grundformen Dreieck und Kugel addieren sich zusammen mit gebogenen Blechen zur monumentalen und stilisierten Plastik eines Engels. Das archaisch und puristisch wirkende Himmelswesen verfügt über eine hohe Anziehungskraft, die den Betrachter bewusst zur „emotionalen Einkehr“ verleiten soll.

Bernhard Apfel: Drachentöter

2009, Städt. Museum, Südtangente

Der Tölzer Bernhard Apfel tritt mit seiner charakteristischen meisterhaften Handfertigkeit, Scharfsinn, beißendem Humor und dem Pendeln zwischen „Heiliger Einkehr und weltlichen Gelüsten“ hervor. Er schuf den Triumphator über das Böse in expressionistischer Bildsprache als potentielles Sinnbild eines jeden Menschen. Die markanten Gesichtszüge des Bezwingers finden sich im blutgetränkten abgeschlagenen Antlitz des Drachens wieder. In dieser Doppelung nimmt der Drache das „alter ego“ der Hauptfigur ein und dient folglich als Trophäe seines eigenen erfolgreichen inneren Kampfes.



Ansprechpartner

Frau Dr. Barbara Gilsdorf

Sachgebietsleitung

Telefon: (0 62 02) 87-484
Fax: (0 62 02) 87-487
Gebäude: Wildemannstr. 1

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