Tiefengeothermie Projekt GeoHardt

Das Vorhaben der GeoHardt GmbH

Seit März 2010 gibt es eine bergrechtliche Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme im Feld „Hardt“. Die Erlaubnis wurde dem Unternehmen „GeoHardt“ erteilt, einem Joint Venture der
regionalen Unternehmen MVV Energie AG und EnBW Energie Baden-Württemberg. Die Standortsuche erstreckte sich über ein ca. 70 Quadratkilometer großes Gebiet, das neben Schwetzingen auch die Gemeinden Oftersheim, Brühl, Ketsch und Plankstadt sowie Teile von Heidelberg und Mannheim umfasst. Im Ergebnis wurde neben einem Standort in Mannheim-Rheinau ein Standort in Schwetzingen nahe Plankstadt gefunden. Die Voruntersuchungen der GeoHardt GmbH bestätigten ein hohes Potenzial mit Wassertemperaturen von mehr als 160 Grad im Untergrund im Aufsuchungsgebiet Hardt.

Die Technologie

Die hydrothermale Geothermie, wie sie von GeoHardt geplant wird, nutzt die hohen Temperaturen des Wassers, das aus einer Tiefe von ca. 3.500 bis 4.000 Metern gefördert wird. Das heiße
Wasser wird an die Oberfläche gepumpt, die Wärme wird im Heizwerk an den Fernwärmekreislauf übertragen, und das abgekühlte Wasser fließt zurück in den Untergrund.

Das Ziel: Eine klimaneutrale und bezahlbare Wärmeversorgung

Ziel des Vorhabens ist es, die geothermischen Potenziale des Oberrheingrabens in der Metropolregion Rhein-Neckar für eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erschließen. Hintergrund ist die angestrebte Wärmewende: Bund und Länder verfolgen das Ziel, Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu machen.
Zur Erreichung dieses Ziels ist insbesondere im Wärmesektor ein deutlicher Ausbau erneuerbarer Energien erforderlich. Auf Bundesebene wurde zuletzt ein Geothermie-Beschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht. Die MVV will als größter Energieversorger der Region bis spätestens 2030 die Fernwärmeerzeugung vollständig auf klimafreundliche
Technologien umgestellt haben. Das Fernwärmenetz muss also künftig mit alternativen Energiequellen versorgt werden. Heute versorgt das bestehende Fernwärmenetz rund 160.000 Haushalte, im Netzgebiet der Stadtwerke Schwetzingen (Schwetzingen, Plankstadt und Oftersheim) sind es circa 4.570 Haushalte. Das Netz soll zudem weiter ausgebaut werden.
Neben Flusswärmepumpen, Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung sowie Biomasse ist die Tiefe Geothermie zentraler Baustein für die zukünftige Versorgung des Fernwärmenetzes mit Wärme.

Gemeinderäte beider Kommunen befassten sich im Frühjahr 2026 in gemeinsamer Sitzung mit dem geplanten Geothermie-Projekt der Firma GeoHardt – Stimmen aus der Sitzung

Die GeoHardt GmbH plant den Bau eines Geothermie-Heizwerks in Schwetzingen. Da auch die Gemeinde Plankstadt von dem Vorhaben betroffen ist, haben beide Kommunen eine enge Zusammenarbeit im weiteren Planungs- und Genehmigungsprozess vereinbart.

Bereits 2021 wurde die bergrechtliche Erlaubnis zur Erkundung von Erdwärme im Feld „Hardt“ erteilt. Seismische Untersuchungen im Jahr 2023 bestätigten ein hohes geothermisches Potenzial mit Temperaturen von bis zu 180 Grad in mehreren Kilometern Tiefe. Die Auswertung der Daten wurde Ende 2024 abgeschlossen.

Durch das 2026 in Kraft getretene Geothermie-Beschleunigungsgesetz ist der Einfluss der Kommunen im Genehmigungsverfahren eingeschränkt; ihnen bleibt vor allem eine beratende Rolle. Dennoch wollen Schwetzingen und Plankstadt den Prozess aktiv, kritisch und transparent begleiten.

Beide Kommunen fordern deshalb insbesondere eine umfassende Prüfung wasserrechtlicher Aspekte sowie klare Haftungsregelungen für den Betreiber. Zudem sprechen sie sich für mehr Transparenz im Verfahren, die Einrichtung eines Begleitkreises sowie eines unabhängigen Ombudsgremiums aus, um die Interessen der Bürgerschaft angemessen zu berücksichtigen, so Oberbürgermeister Matthias Steffan und Bürgermeister Nils Drescher in ihrer gemeinsamen Verwaltungsvorlage.

In einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte beider Kommunen am 22. April 2026 stellten MVV und GeoHardt das Vorhaben der Öffentlichkeit vor. In ihren Stellungnahmen positionierten sich die Fraktionen im Anschluss zum geplanten Geothermie-Projekt.

Stimmen der Gemeinderatsfraktionen aus Schwetzingen

Schwetzinger Freie Wähler

Grundsätzlich stehen die Schwetzinger Freien Wähler dem Thema Tiefengeothermie positiv gegenüber, da wir dringend eine Lösung für die Wärmegewinnung/Fernwärme nach dem Abschalten des GKM benötigen. Wir lehnen jedoch eine Lösung mit Förderwerk derart
nahe an unserer Nordstadt ab. Wir fordern einen Mindestabstand von 1000 m von bebauten Wohn- oder Industriegebieten. Leider haben wir als Stadträte und Stadträtinnen aufgrund der aktuellen Gesetzeslage keinerlei Mitspracherecht im Genehmigungsverfahren.

CDU

Die CDU-Fraktion sieht in der tiefen Geothermie zwar grundsätzlich eine mögliche Chance für die Wärmewende, im Oberrheingraben bewertet sie die Technologie aktuell jedoch aufgrund erheblicher wirtschaftlicher, geologischer und gesellschaftlicher Risiken als nicht tragfähig. Insbesondere fehlende belastbare Wirtschaftlichkeitsnachweise, Unsicherheiten durch Erdbeben- und Wasserschutzrisiken sowie Defizite in Transparenz und Kommunikation haben zu einem deutlichen Vertrauensverlust geführt. Vor einer weiteren Umsetzung fordert die Fraktion daher klare Nachweise, unabhängige Gutachten, verbindliche Haftungsregelungen und eine echte Bürgerbeteiligung, um Chancen und Risiken verantwortungsvoll abwägen zu können.

SPD

Die Fernwärme deckt in Schwetzingen ein Viertel des Gesamtheizbedarfs, ihr Anteil wächst. Hier bietet die hydrothermale Tiefengeothermie die Chance, sich aus der fatalen Abhängigkeit von fossilen Energiequellen zu befreien. Dabei müssen aber die Bedenken in der Bevölkerung berücksichtigt werden, wie sie stellvertretend im Dialogforum der Zufallsbürger geäußert wurden. Deshalb war uns besonders wichtig, dass zwei Punkte vorab entschieden wurden: erstens die Vereinbarung, eine Ombudsperson zur unbürokratischen Hilfe bei Schäden einzusetzen, und zweitens die Fragen zum Haftungsrecht gutachterlich zu klären; als essentiell betrachten wir zudem die ständige seismologische Überwachung und die Einsetzung eines kommunalen Begleitkreises, der die Transparenz im Ablauf sicherstellen wird.

FDP

Die FDP sieht die technischen Risiken der Tiefengeothermie, in dieser aber zugleich eine Chance für eine klimafreundliche, grundlastfähige und verlässliche Wärmeversorgung vor Ort. Wir werden darauf drängen, dass die vorhandenen Risiken von den Bergbehörden im Genehmigungsverfahren gründlich und umsichtig geprüft, Sicherheitsstandards bei Bohrung und Betrieb penibel eingehalten und die Bürgerinnen und Bürger in jedem Verfahrensschritt früh, sachlich und transparent informiert werden. Zugleich wollen wir für ein sachorientiertes, unaufgeregtes Diskussionsklima um die Tiefengeothermie sorgen.

Werner Zieger, Parteilos

Ich finde die Tiefengeothermie eine gute und überzeugende Technologie welche mit Sicherheit noch ausbaufähig ist. Nur leider sehe ich noch erhebliche Mängel im Prozedere einer eventuellen Schadensregulierung. Da diese aus meiner Sicht leider für die Menschen noch sehr zu wünschen übrig lässt, werde ich dem Vorhaben nicht zustimmen.

Stimmen der Gemeinderatsfraktionen aus Plankstadt

Plankstadter Liste

Eine geplante Geothermie-Anlage ist aus klimapolitischer Sicht grundsätzlich zu begrüßen, da sie eine nachhaltige und weitgehend emissionsarme Energiequelle darstellt. Dennoch ist es notwendig, das Vorhaben kritisch und differenziert zu betrachten – insbesondere im Hinblick auf mögliche Risiken wie Trinkwasserverschmutzung und auch potenzieller Gebäudeschäden, die im Zusammenhang mit tiefengeothermischen Projekten auftreten können. Die Frage der Haftung muss im Vorfeld klar geregelt sein (Beweisumkehr) sowie die Frage, wie schnell und unbürokratisch eventuelle Entschädigungen erfolgen.
 

CDU

Die CDU Plankstadt steht dem Geothermieprojekt im Rhein-Neckar-Kreis sehr skeptisch gegenüber. Sie erkennt das Potenzial für erneuerbare Wärme an, fordert jedoch strenge Sicherheitsprüfungen, klare Haftungsregeln und umfassende Bürgerbeteiligung, bevor Projekte umgesetzt werden. Die aktuelle Situation ist folgende: Geothermie-Vorhaben sind allein zur Wärmegewinnung nicht ökonomisch zu betreiben. Nur wenn zusätzlich Lithium gefördert wird, das derzeit noch hohe Preise erzielt. Akkus werden demnächst aber ohne Lithium auskommen und damit fällt diese Einnahme weg.
Zugleich bestehen erhebliche Gefahren bei der Nutzung von Tiefengeothermie: Erdbeben, Grundwasserverunreinigung, Abfälle aus Thermalwässern (z.B. Schwermetalle, Radioaktivität).
Tiefengeothermie nein, oberflächennahe Vorhaben ja (z.B. zur Effizienzsteigerung von Wärmepumpen). Auf keinen Fall Subventionen für Projekte ohne Zukunft!

GLP

Geothermie gewinnt angesichts der aktuellen geopolitischen Lage an strategischer Bedeutung, da sie die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduziert und die Versorgungssicherheit stärkt. Positiv hervorzuheben sind die heute geltenden strengen Sicherheitsbestimmungen: Geothermieprojekte unterliegen umfangreichen Genehmigungs- und Überwachungsverfahren, einschließlich seismologischer Echtzeitüberwachung. Dadurch können mögliche Risiken wie induzierte Erdbeben früh erkannt und durch technische Maßnahmen, etwa die Regulierung des Drucks im Untergrund, kontrolliert werden. Insgesamt gilt Geothermie bei Einhaltung dieser Vorgaben als sichere und nachhaltige Ergänzung im Energiemix.

SPD

Die SPD sieht Geothermie zwar als sinnvolle, wahrscheinlich grundlastfähige Ergänzung der Energiewende, jedoch ohne Vorrang gegenüber anderen erneuerbaren Energien wie Wind- und
Solarenergie. Angesichts hoher Kosten, langer Planungszeiten sowie finanzieller und geologischer Risiken setzt die SPD stärker auf schneller verfügbare und wirtschaftlich etablierte Technologien.
Mögliche Risiken (Erdbeben, Grundwasser) und Haftungsansprüche, die mit dem Einsatz der Geothermie einher gehen, sind kritischer zu hinterfragen und klarer zu benennen, die Haftung bei
Schäden und deren Regulierung sind eindeutig darzustellen. Insgesamt verfolgt die SPD damit einen vorsichtigen, technologieoffenen Ansatz mit klarem Schwerpunkt auf den bewährten erneuerbaren Energien. Daher zum aktuellen Antrag keine Zustimmung.

Projektbeirat zum Tiefengeothermie-Vorhaben von GeoHardt nimmt Arbeit auf

Der Projektbeirat zum Tiefengeothermie-Vorhaben der Firma GeoHardt in Schwetzingen nahe Plankstadt hat am Donnerstagabend (2. Juli) seine erste Sitzung abgehalten. Ziel des Beirats ist es, die Projektentwicklung transparent zu begleiten, zentrale Fragestellungen sachlich zu erörtern und die Öffentlichkeit regelmäßig zu informieren.
 

In dem Gremium kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft sowie der Bürgerschaft zusammen. Vertreten sind Oberbürgermeister Matthias Steffan, Bürgermeister Nils Drescher, Gemeinderäte beider Kommunen, Vertreter des Vorhabenträgers GeoHardt, Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie, die Geschäftsführung der Weldebräu, sowie ein Zufallsbürger.

In einem offenen Austausch zu Beginn haben die Akteursgruppen in sachlicher Atmosphäre ihre teilweise kontroversen Sichtweisen dargestellt und sich auf eine konstruktive Zusammenarbeit im Beirat verständigt. Dabei ist den Mitgliedern wichtig, dass der Beirat kein Entscheidungsgremium ist, sondern die Projektentwicklung aus kommunaler Sicht begleitet, zentrale Fragestellungen transparent und fachlich erörtert und die Öffentlichkeit über die wesentlichen Erkenntnisse informiert.

Für die kommenden Monate hat der Beirat drei Themenschwerpunkte priorisiert: 1) der Schutz von Trink- und Grundwasser sowie Fragen zur Projektentwicklung und zum Genehmigungsverfahren, 2) Fragen zur induzierte Seismizität und Schadensregulierung sowie 3) die Bedeutung des Projekts für die zukünftige Wärmeversorgung. Wesentliche Erkenntnisse aus den Sitzungen sollen der Öffentlichkeit über die kommunalen Mitteilungsblätter, die lokale Presse sowie eine kommunale Website zugänglich gemacht werden. 
Die Sitzungen finden abwechselnd in Plankstadt und Schwetzingen statt, den Vorsitz des Beirates haben die Bürgermeister der Stadt Schwetzingen und der Gemeinde Plankstadt, das Forum Energiedialog moderiert und bereitet die Sitzungen vor. Die nächste Sitzung zum Thema Trink- und Grundwasserschutz findet am 22. September in Plankstadt statt.

Weitere Informationen zum Projekt

Ansprechpartner

Herr Wolfgang Leberecht

Amtsleiter

Fax +49 (62 02) 87 51 05
Gebäude Hebelstraße 7
Raum 207
Herr Ramon Eck

Sachgebietsleiter

Fax +49 (62 02) 8 72 79
Gebäude Hebelstraße 7
Raum 209