Entwicklung des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerk Schwetzingen

Vom Eisenbahnausbesserungswerk zum Zukunftsstandort

Die Geschichte des ehem. Bundesbahnausbesserungswerks und die Entwicklung der vergangenen Jahre
Das ehemalige Bundesbahnausbesserungswerk ist ein Ort, der wie kaum ein anderer mit der industriellen Geschichte Schwetzingens verbunden ist. Über Jahrzehnte prägte das Werk nicht nur das Stadtbild, sondern auch das Arbeitsleben vieler Menschen in Schwetzingen und der Region.
Errichtet wurde das Eisenbahnausbesserungswerk zwischen 1913 und 1917; im Januar 1918 nahm es seinen Betrieb auf. In den ersten Jahrzehnten wurden dort unter anderem Dampflokomotiven und Güterwagen gewartet und instandgesetzt. Zeitweise arbeiteten rund 1.100 Menschen im Werk – damit war es über lange Zeit einer der bedeutendsten Arbeitgeber in Schwetzingen und Plankstadt.
Auch die Geschichte des Werks im Zweiten Weltkrieg gehört zu diesem Ort. Auf dem Gelände entstanden verschiedene Schutz- und Bunkeranlagen. Beim Luftangriff auf das Ausbesserungswerk am 19. März 1945 kamen 22 Beschäftigte ums Leben. Nach mehr als sieben Jahrzehnten Eisenbahngeschichte wurde das Werk schließlich Ende 1989 endgültig stillgelegt.
Mit der Stilllegung begann eine schwierige Phase. Aus einem hoch produktiven Industriestandort war eine große innerstädtische Brachfläche geworden. Gleichzeitig bot das Areal eine außergewöhnliche Chance: eine große, bereits erschlossene und stadträumlich bedeutende Fläche konnte langfristig neu entwickelt werden, ohne zusätzliche Flächen im Außenbereich in Anspruch nehmen zu müssen.

Schritt für Schritt zur neuen Nutzung

Die Entwicklung des ehemaligen Werksgeländes ist deshalb seit vielen Jahren ein wichtiges städtebauliches Projekt der Stadt Schwetzingen. Im südlichen Bereich befindet sich seit jeher ein Gewerbegebiet. Mit der Ansiedlung des Logistikzentrums von Decathlon im Norden wurde ein wesentlicher Teil der ehemaligen Bahnbrache einer neuen Nutzung zugeführt. Die Erweiterung des Logistikzentrums wurde 2024 abgeschlossen; inzwischen stehen dort mehr als 50.000 Quadratmeter Lagerfläche zur Verfügung. Im Jahr 2025 wurde am Standort zudem ein neuer Decathlon-Shop eröffnet, der das Logistikzentrum um eine direkte Einzelhandelsnutzung ergänzt und den Standort auch für Kundinnen und Kunden aus Schwetzingen und der Region stärker sichtbar macht.
Doch die Entwicklung endet nicht im Norden. Gerade der südliche Bereich des ehemaligen Ausbesserungswerks stellt die Stadt vor die besondere Aufgabe, wirtschaftliche Entwicklung, Denkmalschutz und eine qualitätsvolle städtebauliche Gestaltung miteinander zu verbinden.
Seit 2011 ist das Gebiet Teil des städtebaulichen Erneuerungsgebiets „DB-Ausbesserungswerk Süd“. Die Ziele der Sanierung sind dabei von Anfang an über eine reine Gewerbeentwicklung hinausgegangen. Vorgesehen sind unter anderem der Erhalt und die Umnutzung historischer Gebäude, die Neuordnung der Freiflächen, die Verbesserung der Erschließung sowie die Aufwertung von Geh- und Radwegeverbindungen.

Interessenbekundung als wichtiger Schritt

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war das von der Stadt durchgeführte Interessenbekundungsverfahren für den südlichen Teil des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerks. Damit wurde bewusst ein neuer Weg eingeschlagen: Nicht allein die Stadt sollte eine Nutzung vorgeben, sondern potenzielle Entwickler und Investoren sollten ihre Ideen für diesen besonderen Standort einbringen.
Gesucht wurden Konzepte für ein breites Spektrum gewerblicher Nutzungen. Gleichzeitig wurden besondere Wohnformen, beispielsweise Studentenwohnen oder betreutes Wohnen, als grundsätzlich vorstellbar beschrieben. Ausgeschlossen werden sollten dagegen eine ausschließlich Lkw-orientierte Logistiknutzung sowie großflächiger Einzelhandel.
Besonders wichtig ist dabei der Umgang mit dem historischen Gebäudebestand. Die denkmalgeschützte Wagenrichthalle II und die Federschmiede sind prägende Zeugnisse der industriellen Vergangenheit. Ihre mögliche Umnutzung bietet die Chance, Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern sie zu einem Bestandteil einer neuen Nutzung zu machen. Auch das historische Pförtnerhäuschen spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die Interessenbekundung war deshalb mehr als eine klassische Grundstückssuche. Sie war ein Signal: Das ehemalige Ausbesserungswerk soll nicht einfach verschwinden, sondern zu einem qualitätsvollen und eigenständigen Teil der zukünftigen Stadtentwicklung werden.

Planung, Erschließung und Sanierungsgebiet

Parallel zur Suche nach geeigneten Nutzungskonzepten wurden die planungsrechtlichen Voraussetzungen weiterentwickelt. Der Gemeinderat leitete 2022 das Bebauungsplanverfahren für das „Bundesbahnausbesserungswerk Süd“ ein. Damit wurde die Grundlage geschaffen, die künftige Entwicklung des südlichen Areals verbindlich zu steuern.
Ein wesentlicher Baustein war außerdem der 2021 beschlossene Zielplan für das Sanierungsgebiet. Er soll die städtebauliche Entwicklung des Areals bündeln und insbesondere die historischen Gebäude, die Erschließung sowie die öffentlichen Verkehrs- und Freiflächen miteinander in Einklang bringen.
Dazu gehört ganz konkret auch die technische Erschließung. So wurde beschlossen, die Erschließung der Werkstraße bis zu den ehemaligen Pförtnerhäusern zu verlängern und gleichzeitig den bestehenden Abwasserkanal zu sanieren beziehungsweise an die zukünftige Entwicklung anzupassen. Diese Maßnahmen sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass aus planerischen Vorstellungen tatsächlich neue Nutzungen und Investitionen entstehen können.

Verlängerung des Sanierungszeitraums
Dass eine solche Entwicklung Zeit braucht, zeigt auch die Verlängerung des Sanierungsgebiets. Der ursprünglich vorgesehene Zeitraum reichte nicht aus, um die anspruchsvollen Aufgaben auf dem Areal vollständig umzusetzen. Der Gemeinderat beschloss daher 2023 eine Verlängerung der Sanierungssatzung: Die Durchführung der Sanierung wurde bis zum 30. April 2028 verlängert.
Diese Verlängerung ist mehr als eine formale Entscheidung. Sie schafft den notwendigen zeitlichen Spielraum, um die städtebaulichen Ziele weiterzuverfolgen, Investoren und Nutzungskonzepte zusammenzubringen, die Erschließung voranzutreiben und insbesondere den Umgang mit den denkmalgeschützten Gebäuden sorgfältig vorzubereiten.

Geschichte bewahren - Zukunft ermöglichen

Heute steht das ehemalige Bundesbahnausbesserungswerk damit an einem entscheidenden Punkt seiner Geschichte. Aus einem Ort, der einst vom Rhythmus der Eisenbahn und der Arbeit tausender Menschen geprägt war, soll ein moderner, vielfältig nutzbarer und zugleich geschichtsbewusster Stadtbaustein werden.
Die Herausforderung besteht darin, beides zusammenzubringen: die Erinnerung an die industrielle Vergangenheit und die Anforderungen an einen zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort.
Die bisherigen Schritte zeigen, dass diese Entwicklung nicht von heute auf morgen erfolgt. Von der Stilllegung 1989 über die ersten neuen gewerblichen Nutzungen, die Aufnahme in die Städtebauförderung, die Erweiterung des Sanierungsgebiets, den Zielplan und die Erschließungsmaßnahmen bis hin zum Interessenbekundungsverfahren und den laufenden Bebauungsplanverfahren ist ein langer Weg zurückgelegt worden.

Gerade deshalb kommt es jetzt darauf an, die begonnenen Prozesse konsequent weiterzuführen. Das ehemalige Bundesbahnausbesserungswerk besitzt aufgrund seiner Lage, seiner Geschichte und seines denkmalgeschützten Bestands ein außergewöhnliches Entwicklungspotenzial. Wenn es gelingt, wirtschaftliche Nutzung, Denkmalschutz, hochwertige Architektur, Freiraumqualität und eine gute verkehrliche Erschließung miteinander zu verbinden, kann aus der ehemaligen Bahnbrache ein besonderer Zukunftsort für Schwetzingen werden.

Die Geschichte des Ausbesserungswerks ist damit noch lange nicht zu Ende geschrieben. Sie erhält vielmehr ein neues Kapitel – eines, in dem aus einem ehemaligen Zentrum der Eisenbahninstandhaltung ein moderner und identitätsstiftender Bestandteil der Stadt Schwetzingen werden kann.

Ansprechpartner

Herr Wolfgang Leberecht

Amtsleiter

Fax +49 (62 02) 87 51 05
Gebäude Hebelstraße 7
Raum 207