Klimaanalyse
Stadtklima im Blick
Schwetzingen zählt aufgrund seiner Lage in der Oberrheinebene bereits heute zu den wärmsten Regionen Deutschlands. Durch den Klimawandel werden die Temperaturen weiter steigen und heiße Tage häufiger auftreten. Um die Lebensqualität zu sichern, spielen klimatische Aspekte bei der Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. Deshalb hat die Stadt Schwetzingen eine Stadtklimaanalyse erstellen lassen.
Wie sieht das Klima der Zukunft aus?
Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Schwetzingen bereits heute messbar. In den vergangenen 30 Jahren ist die durchschnittliche Jahrestemperatur um rund 1,1 °C gestiegen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird ein weiterer Temperaturanstieg von etwa 1,3 bis 1,8 °C erwartet. Wie stark die Temperaturen weiter steigen, hängt davon ab, wie erfolgreich Klimaschutzmaßnahmen weltweit umgesetzt werden. Ohne wirksame Emissionsminderungen könnte die Jahresmitteltemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 3,6 °C zunehmen.
Mit steigenden Temperaturen werden Frost- und Eistage seltener, während die Zahl heißer Tage deutlich zunimmt. Die Anzahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 °C könnte sich bis zum Ende des Jahrhunderts nahezu verdoppeln.
Gleichzeitig verändern sich die Niederschläge: Während im Winter mehr Niederschlag erwartet wird, ist im Sommer mit längeren Trockenperioden und häufigeren Starkregenereignissen zu rechnen.
Was wurde untersucht?
Mithilfe moderner Computermodelle wurden die klimatischen Bedingungen im Stadtgebiet analysiert. Dabei flossen unter anderem Daten zu Bebauung, Versiegelung, Grünflächen, Vegetation und Wetterbedingungen ein. Ziel war es, besonders belastete Bereiche sowie wichtige Frischluft- und Ausgleichsflächen zu identifizieren.
Warum ist das wichtig?
Planungsgrundlage für die Zukunft
Die Stadtklimaanalyse liefert wichtige Grundlagen für zukünftige Planungen und hilft dabei, Klimaanpassungsmaßnahmen gezielt umzusetzen.
Gesundheit
Anhaltende Hitze kann die Gesundheit beeinträchtigen und das Risiko für Kreislaufbeschwerden, Erschöpfung und weitere hitzebedingte Belastungen erhöhen.
Thermischer Komfort
Thermischer Komfort beschreibt, wie angenehm Menschen das Klima in ihrer Umgebung empfinden. Bäume, Grünflächen und gut durchlüftete Bereiche können die Aufenthaltsqualität an heißen Tagen deutlich verbessern.
Vulnerable Gruppen
Besonders empfindlich auf Hitze reagieren ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sowie Personen mit Vorerkrankungen. Auch sensible Einrichtungen wie Pflegeheime, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten benötigen daher besondere Aufmerksamkeit.
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Analyse zeigt, dass dicht bebaute und stark versiegelte Bereiche der Kernstadt, der Ost-, Süd- und Nordstadt sowie Teilbereiche des Hirschackers an heißen Tagen einer erhöhten Wärmebelastung ausgesetzt sind. Besonders stark betroffen sind Gewerbegebiete sowie Plätze und Straßenräume ohne ausreichende Verschattung durch Bäume. Hier können vor allem Baumpflanzungen, zusätzliche Begrünung und Entsiegelung die Wärmebelastung am Tag deutlich reduzieren. Bäume sorgen dabei nicht nur für Verschattung, sondern auch für eine spürbare Abkühlung durch Verdunstung. Ergänzend tragen Dach- und Fassadenbegrünungen dazu bei, die Aufheizung von Gebäuden zu verringern.
Diese Maßnahmen beeinflussen auch die nächtliche Überwärmung. Denn je stärker sich Gebäude und versiegelte Flächen tagsüber aufheizen, desto länger halten sie die Wärme in der Nacht. In den stark überwärmten Bereichen zeigt sich eine deutliche Temperaturdifferenz gegenüber dem Umland. Diese sogenannten Wärmeinseln treten insbesondere in der Innenstadt sowie in der Nord- und Oststadt auf.
Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig die umliegenden Freiflächen für die Frischluftversorgung der Stadt sind. Vor allem Flächen östlich und südlich von Schwetzingen tragen zur nächtlichen Abkühlung bei. Diese Bereiche sollten möglichst von weiterer Bebauung freigehalten werden. Bei neuen Bauvorhaben ist darauf zu achten, dass Gebäudeausrichtung, Gebäudehöhe und Abstände zwischen den Baukörpern die Frischluftzufuhr möglichst wenig beeinträchtigen.
Auch die Erreichbarkeit von öffentlich zugänglichen Grünflächen ist nicht in allen Stadtteilen gleich gut. Gerade für Menschen ohne eigenen Garten spielen öffentliche Grün- und Freiräume, die zur Erholung beitragen, eine wichtige Rolle an heißen Tagen.
Weiterführende Informationen
Im Klima-Dashboard der Stadt stehen aktuelle Messwerte von neun Wetterstationen im Stadtgebiet zur Verfügung. Dort können Lufttemperatur, relative Luftfeuchte und Windverhältnisse tagesaktuell eingesehen werden.
Das Projekt wurde durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms KLIMOPASS gefördert.
